Che - Revolucion Frankreich, Spanien, USA 2008 – 126min.

Filmkritik

Che: Part One

Christof Zurschmitten
Filmkritik: Christof Zurschmitten

Schauspieler Benicio Del Toro und Regisseur Steven Soderbergh versuchen sich an einem Portrait von Ernesto "Che Guevara" - ein so bewundernswertes wie sperriges Vorhaben, das alle Formate sprengt.

Es ist nicht der erste Film über den berühmten Argentinier, aber bei weitem der ehrgeizigste: "Che" soll zugleich Portrait sein und Chronik historischer Ereignisse, er erzählt von politischen Idealen, ihrem Erfolg wie ihrem Scheitern. Spielfilmlänge ist da einfach nicht genug: In den Kinos wird der Film zweigeteilt laufen, obwohl "Che" ein einziges monumentales Projekt ist, dessen Hälften sich notwendig ergänzen.

Der erste Teil - "The Argentine" - folgt den Ereignissen in Kuba, beginnend 1956 mit der Ankunft Fidel Castros (Demian Bicannohir), Guevaras und einer Handvoll Revolutionäre, die die Militärdiktatur Battistas stürzen werden. Bevor es dazu kommt, sehen wir den Aufstieg Guevaras - Asthma und einem Ausländerkomplex zum Trotz - vom Feldarzt zum Comandante der Guerilla. Und wir sehen, wie der Kriegserfolg seine Ideen schmiedet zum "Guevarismus", jener eigentümlichen Mischung aus politischer Philosophie, Strategie, Idealismus und Heilsgedanken. Mehr darüber erfahren wir häppchenweise in Szenen, die Guevara nach vollendeter Revolution vor den Mikrophonen von Interviewern und als Vertreter Kubas vor der UNO zeigen.

Zudem dient der Film auch der Standortbestimmung: Gleich die ersten Bilder von Benicio Del Toro als Guevara, die Zigarre im Mund, suchen die Nähe zu den berühmtesten Che-Fotos, wie sie tausendfach auf Postern abgedruckt wurden. Damit ist klar: "Che" - dessen Drehbuch auf Aufzeichnungen des Portraitierten beruht - will keine Legende zu Fall bringen. Ebenso wenig aber geht es um deren Fortschreibung; wenn überhaupt, dann ist "Che" der Versuch, einem zum leeren Symbol gewordenen Menschen eine Geschichte zurückzugeben.

Was manche irritieren dürfte, ist die Tatsache, dass "Geschichte" dabei wörtlich gemeint ist: Historische Daten werden pedantisch zitiert, aber selten erklärt, die Chronologie der Ereignisse und nicht eine Filmdramaturgie geben den Spannungsbogen vor. Obwohl es Szenen gibt, die jedem Actionfilm zur Ehre gereichen, ist "The Argentine" teilweise bewusst sperrig. Auch seine Hauptfigur, von Del Toro wuchtig verkörpert, bildet nur bedingt einen emotionalen Anker: zu pragmatisch geht dieser Che seinen Aufgaben nach, zu gefestigt ist seine Persönlichkeit von Anfang an, zu sehr wird auch sein Handeln nur gezeigt statt (v)erklärt.

Langweilig ist das nie, aber natürlich nur bedingt unterhaltsam. "The Argentine" verlangt seinem Publikum etwas ab, entschädigt es aber auch für seine Aufgeschlossenheit und Mühe: Mit einem Film, der bewundernswert kompromisslos und grössenwahnsinnig ist - und gemeinsam mit seiner zweiten Hälfte nicht nur eines der ausgewogensten Che-Portraits, sondern auch eines der klügeren Biopics der letzten Jahre darstellt.

15.09.2014

4

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Kommentare

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vor 11 Jahren

Ich finde die Bemerkung, dem Film fehle Feuer absolut treffend. Nichtsdestotrotz scheint mit dies die beste Verfilmung von Ches Leben zu sein, obwohl sie sehr in die Länge gezogen wird und trocken ist. Gut finde ich das man auf billige Hollywood Effekthascherei verzichtet hat, eine Verklärung von Che als Mensch ist trotzdem gut bemerkbar.
Zudem hätte man den ersten Teil viel kompakter gestalten und beide Teile zu einem Film zusammenfügen. Aber was solls, Benicio sei Dank werde ich mir trotzdem allzu gerne auch den zweiten Teil anschauen.

Ach ja: Der Darsteller von Fidel Castro und überhaupt, Castros Darstellung an sich ist sehr gut: Ein Puppenspieler par excellence.Mehr anzeigen


cineast2001

vor 11 Jahren

Was für eine stümperhaft zusammengeschusterte Filmbiographie als auch eine politische Heldenverklärung, des Weiteren die Länge des Gesamtwerkes als auch die Zweiteilung des Films ist eine Zumutung.

Man hätte bei beiden Teilen gerne noch etwas kürzen können es wäre nicht aufgefallen und man hätte daraus einen Film von guten 120 bis 150 Minuten machen können, den man dem Publikum hätte zeigen können und den Rest dann auf einer "DVD Special Edition" heraus bringen sollen.

Dieses gewollt verklärende Machwerk von Benicio del Toro und Steven Soderbergh hat bei weitem nicht die Aufmerksamkeit verdient, die der Film mit der Auszeichnung von Benicio Del Toro in Cannes 2008 erhalten hat.

Als überzeugter Demokrat, hat mich diese Filme nur wütend gemacht!

Benicio Del Toro liefert eine mäßige schauspielerische Leistung ab, verklärt das Bild dieses Massenmörders und Despoten, der bis heute an der Unfreiheit und den Repressalien des Kubanischen Volkes Mitschuld trägt.
Darüber hinaus ist diese Biographie dermaßen Lückenhaft und Unvollständig das es einem Historiker sowieso die haare zu Berge stehen würden.

Wo z. B. wird etwas über das Wirken Chés im Kongo erzählt? Wo wird erwähnt, das er als Industrieminister im sozialistischen Cuba total versagt hat und alles „verFidelt“ äh vergeigt hat? Das unter seiner Mitherrschaft Regimegegner umgebracht wurden??

Nein, alles wurde verschwiegen!!

Hier wurden Linkes Wunschdenken und Utopien zu einer links-faschistoiden Heldensaga verklärt und seine Opfer, auch bis in die heutige Zeit, immer noch verhöhnt.

Die darstellerische Leistung von Benicio Del Toro ist auch reichlich sozialistisch, nämlich nur aus Mangel bestehend. Auch Schauspieler wie Franke Potente sind hier doch eher fehl am Platze!

Solche ein Machwerk kann man nicht gutheißen leider nur ein M&M wegen zu offensichtlicher Marxistisch-Leninistischer Propaganda und Verklärung!

Auch für diese Filmbesprechung gilt: Frei Schnauze ich schreibe was ich denke. Der Rest Deiner Wahrnehmung oder Interpretation entspringtMehr anzeigen


republikanka

vor 11 Jahren

Sein Vortragen bei der UNO-Versammlung, die stille Art wie er die Kubaner für sich gewann - ohne jede Propaganda wie es z. Bsp in Deutschland um 1940 war, alle sozialistischen Denkweisen und revolutionären Regeln perfekt inszeniert. Der erste Teil schreit nach mehr! Fidel lustig Che authentisch

BRAVO!Mehr anzeigen


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