Das schlafwandelnde Land Portugal 2007 – 95min.

Filmkritik

Bürgerkrieg in Mosambik

Filmkritik: Angela Hüsser

Mosambik Anfang der 90er Jahre. Das Land ist vom Bürgerkrieg verwüstet. Muidinga, ein kleiner, zerbrechlich aussehender Junge, ist auf der Suche nach seinen Eltern. Begleitet wird er von Tuahir, einem Greis, der für den elternlosen Jungen die Rolle des Beschützers übernommen hat und ihn mehr als einmal vor Landminen, Fallen oder herumziehenden Banden rettet. Am Wegesrand stoßen die beiden auf einen ausgebrannten Bus, den marodierenden Soldaten überfallen und dessen Insassen sie ausgeraubt und getötet haben. Tuhair und Mudinga suchen in dem Wrack Schutz vor der brennenden Sonne und schlagen in ihm schließlich für einige Zeit ihr Lager auf. In den Habseligkeiten eines Toten findet Mudinga ein Tagebuch. Er liest dem Alten, der selbst des Lesens und Schreibens unkundig ist, daraus vor.

Die Aufzeichnungen erzählen die Geschichte von Kindzu, einem jungen Mann, dessen Familie im Krieg brutal und sinnlos ermordet wurde. Kindzu flieht in einem Boot aufs Meer hinaus, wo er auf einem verlassenen Handelsschiff auf die Flüchtlingsfrau Farida trifft, die dort auf die Rückkehr ihres verschollenen Sohnes wartet. Er verliebt sich in Farida, möchte mit ihr in ein Land fernab von Krieg und Blutvergießen fliehen, aber sie weigert sich, das Schiff zu verlassen, bevor sie wieder mit ihrem Sohn vereint ist. Kindzu bietet ihr schließlich an, nach ihm zu suchen.

Während Muidinga Kindzus Geschichte liest, gelangt er mehr und mehr zu der Überzeugung, dass er selbst Faridas verlorener Sohn ist. Gegen Tuahirs Rat will er aufbrechen, um seine Mutter zu finden ...Drehbuch nach dem Roman "Das schlafwandelnde Land" und der Erzählung "A menina de futuro torcido"

Mit den Stilmitteln des magischen Realismus erzählt die junge portugiesische Regisseurin Teresa Prata in ihrem ersten Spielfilm "Das schlafwandelnde Land" von der Suche eines Jungen nach seiner Mutter, seiner Identität und nach Frieden in einem durch Krieg und unbeschreibliches Leid traumatisierten Land. Zusammen mit einem alten Mann irrt der kleine Muidinga wie viele andere Flüchtlinge quer durch das verwüstete Mosambik. Dabei hat die Straße, der sie folgen, ihren eigentlichen Sinn verloren, weil sie nirgendwo mehr hinführt. Sie wird zur Metapher für die Ziellosigkeit aller Menschen in allen Kriegen. Aber sie erhält auch eine neue Bedeutung: Sie wird zum Transportweg der Träume von einem besseren Leben.

"Das schlafwandelnde Land" basiert auf dem gleichnamigen Roman des mosambikanischen Schriftstellers Mia Couto - eigentlich António Emílio Leite Couto - sowie seiner Erzählung "A menina de futuro torcido". Teresa Pratas bildgewaltiges Regiedebüt wurde kürzlich beim Internationalen Filmfestival in Kerala mit dem FIPRESCI-Preis und beim Pune Film Festival mit dem Regiepreis ausgezeichnet.

25.07.2008

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