CH.FILM

Cannabis Schweiz 2006 – 82min.

Cannabis

Filmkritik

Tut den Augen gut

Filmkritik: Steven Marriott

«Yes, but I didn't inhale», gestand Bill Clinton schon vor einigen Jahren der Öffentlichkeit. "Wenn der mächtigste Mann der Welt an einem Joint gesogen hat, dann wollen wir einen kiffenden Bundesrat", dachten sich darauf wohl Schweizer Filmemacher. Diesen gibts jetzt zu sehen, zumindest auf der Leinwand.

Der konservative Bundesrat Alois Mumentaler (Hanspeter Müller) steckt in einer tiefen (Lebens-)Krise: Seine repressive Drogenpolitik ist kein Erfolg, seine Ehefrau will sich von ihm scheiden lassen, den eigenen Sohn hat er seit Jahren nicht gesehen und die neue Parteipräsidentin sägt kräftig an seinem Bundesratsstuhl. Zu allem Übel plagt Mumentaler auch noch ein "Grüner Star", der unbehandelt zur Erblindung führt. Leider kann dieser nur mit Cannabis kuriert werden.

Ein kiffender Bundesrat, eine verlogene "Classe politique"; klingt nach brisanten Themen. Leider will der Funke aber nicht so recht rüberspringen. Immer etwas zu harmlos und belanglos kommen die einzelnen Szenen daher. Und dies obschon seine Rolle ausgezeichnet spielt und für ein paar ordentliche Lacher sorgt. Dass bekiffte Mitbürger hin und wieder grossen Hunger kriegen oder vergesslich sind, wussten wir schon vorher. Auch ein Bundesrat, der zugedröhnt mit dem Skateboard duch die Berner Altstadt fährt, gehört nicht zu den Highlights des Comedy-Genres. Kommt noch hinzu, dass der ihm zur Seite stehende Teenager Remo (Joel Basman), welcher Mumentaler mit Hasch versorgt, etwas gar blöd und bubig wirkt. Ob sich da nicht der eint oder andere 16-jährige beleidigt fühlt?

Und was wollen uns die Macher von "Cannabis" punkto Gefahren und Chancen der Hanfplanze mit auf den Weg geben? Leider nicht allzuviel. Kiffen ist offensichtlich eine harmlose Sache und macht uns zu besseren Menschen. Und ein Medikament ist es auch noch. Das sind sicher keine Unwahrheiten, die uns Regisseur Niklaus Hilber hier auftischt, aber ganz der Realität entsprechen sie auch nicht. Immerhin stimmt Mumentalers politisches Ende etwas versöhnlich und holt den Zuschauer auf den Boden der Realität zurück.

15.08.2007

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Kommentare

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glasschuh

vor 12 Jahren

Im Gegensatz zu Steven Marriott finde ich gar nicht, dass Canabis verharmlost wird. Die Nebenwirkungen werden ganz klar gezeigt. Ich finde es einfach ein total lustiger Film. Man kann vom ersten bis zum letzen Satz durchlachen.


unrealelement

vor 12 Jahren

die dialoge wirken kaineswegs billig! wer den film nicht lustig findet versteht ihn einfach zu wenig. es hat sehr viele lustig wahre anspielungen in bezug auf cannabis, legalisierung, politik & eingefahrenen meinungen.
wer keine billige komödie erwartet wird den film lieben!


hagbard235

vor 12 Jahren

Ich finde der Film ist eine gute Abendunterhaltung. Und nach Eugen und Grounding ein weiterer CH-Film den man sehen sollte


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