Bobby - Der letzte Tag von Robert F. Kennedy USA 2006 – 120min.

Filmkritik

Ein Mord und zweiundzwanzig Zeugen

Filmkritik: Dominique Zahnd

Als Senator Robert F. Kennedy im Ambassador-Hotel in Los Angeles durch ein Attentat starb, war das ein schwarzer Tag für Amerika. Emilio Estevez liefert dazu einen packenden Ensemble-Film mit grosser Stardichte.

Los Angeles, 1968: Robert F. Kennedy, der Bruder des ermordeten Präsidenten John F. Kennedy, will für das Präsidentenamt kandidieren. Ihm schlägt während seiner Wahlkampftour eine unglaubliche Sympathiewelle entgegen. Am 5. Juni soll er im Ambassador Hotel eine Dankesrede halten. Alle im Haus warten auf das Eintreffen des hohen Gasts. Im Laufe des Tages kreuzen sich die Schicksale verschiedenster Personen, welche eine Gemeinsamkeit verbindet - sie alle werden am Abend anwesend sein, wenn Kennedy kurz nach Mitternacht von einem Attentäter niedergeschossen wird.

Regisseur und Drehbuchautor Emilio Estevez macht seine Sache gut. «Bobby» ist stimmig und die Story packt. Dem cleveren Drehbuch ist es zuzuschreiben, dass so viele Stars mitspielen wollten. Die Einzelschicksale sind geschickt miteinander verknüpft: Der mexikanische Tellerwäscher José (Freddy Rodriguez), der mit seinem rassistischen Boss Timmons (Christian Slater) zu kämpfen hat und sich mit dem weisen schwarzen Kollegen Edward (Laurence Fishburne) verbrüdert. Das junge Pärchen Diane (Lindsay Lohan) und William (Elijah Wood), das heiraten will, um den jungen Mann vor der Front zu bewahren. Samantha (Helen Hunt), deren Leben von Äusserlichkeiten und dem Geld ihres stinkreichen Gatten (Martin Sheen) bestimmt wird. Die Liste liesse sich noch lange in ähnlicher Weise fortführen - doch das würde zu viel vorwegnehmen.

Wenn ein Film ein uramerikanisches Thema aufgreift, wird mit der Pathoskelle gerührt. Die schwingt hier «Matrix»-Guru Fishburne - als Übergutmensch und Hotelkoch darf er seiner Küchencrew eine Weisheit nach der anderen mit geradezu buddhistischer Gelassenheit servieren. Damit die Ernsthaftigkeit aber nicht zu stark Oberhand gewinnt, gibt es eine Sidestory mit den Jungstars Shia LaBeouf und Brian Geraghty, die - frisch von Oberhippie und Schauspiel-Holzklotz Ashton Kutcher mit Drogen versorgt - allerlei lustige Dinge anstellen. Die Leistung des riesigen Ensembles ist mehr oder weniger sehenswert - William H. Macy (als Hotelboss) und Anthony Hopkins (als aktiver Rentner) stechen heraus, während Sharon Stone (als Coiffeuse) und Demi Moore (als Sängerin) eher flach und wenig überzeugend agieren.

«Bobby» ist gutes Unterhaltungskino. Daumen hoch für die mittlerweile dritte Regiearbeit von Emilio Estevez - auch wenn die Story arg konstruiert ist: sie fesselt und ist spannend erzählt. Ausserdem gelingt es dem Regisseur auf beeindruckende Weise, jede einzelne Geschichte detailliert und glaubhaft darzustellen - mitsamt allen Hoffnungen, Sorgen und Problemen. Estevez verleiht allen Figuren eine gebührende Tiefe, ohne sich gleichzeitig in belanglosen Kleinigkeiten und Spielereien zu verlieren. Ganz im Gegenteil: Ausgesprochen geradlinig wird die Story auf den Höhepunkt gesteuert und explodiert dann in einem emotionalen Showdown.

01.06.2021

4

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Kommentare

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raffi44

vor 15 Jahren

ich fand den Film genügend.


irenekarin

vor 15 Jahren

... hat mir gut gefallen: -)
Empfehlenswert.


penny

vor 15 Jahren

Ein wirklich ausgezeichneter Film von Anfang bis Ende!


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