Edmond USA 2005 – 82min.

Filmkritik

Amoklauf in New York

Sarah Stähli
Filmkritik: Sarah Stähli

William H. Macy ist ein typischer Nebenrollen-Darsteller, programmiert auf skurrile Verlierertypen. Ob als verzweifelter Ehemann in Fargo oder als trauriges erwachsenes Wunderkind in Magnolia, sein zerknautschtes Gesicht und seine Cartoon-Stimme bleiben in Erinnerung. Endlich kommt nun ein Film in die Kinos, in dem Macy die Hauptrolle spielt. Schade vermag er darin nicht wirklich zu überzeugen.

"Edmond" basiert auf dem gleichnamigen Bühnenstück des amerikanischen Theaterautors und Regisseurs David Mamet ("Glengarry Glen Ross"). Dass die Geschichte ihren Ursprung im Theater hat, merkt man dem Film fast zu stark an, dass es William H. Macys lang gehegter Traum war, Edmond zu spielen, auch. Der Schauspieler wirkt fehlbesetzt, zu angestrengt ist seine Interpretation der Rolle, die Dialoge wirken oft unglaubwürdig und gestelzt. Macy schafft es ausserdem nie ganz, seine komödiantische Seite abzulegen und als Komödie ist der Film des vom Horrorfilm kommenden Regisseurs Stuart Gordon kaum gedacht.

Edmond Burke, ein frustrierter Büroangestellter, verlässt nach der mysteriösen Prophezeiung einer Kartenleserin seine Frau und sein bürgerliches Leben und begibt sich auf eine verhängnisvolle Odyssee durch die Unterwelt von New York, die in einem Amoklauf ausartet. Als militanter Rassist und Schwulenhasser, als kleiner Bruder von "American Psycho" Patrick Bateman, lebt Edmond in einem hasserfüllten Rundumschlag seine dunklen Seiten aus. Als er schliesslich zum Mörder wird und im Gefängnis landet, erlebt er dort eine Läuterung und kommt zur Einsicht, dass sich "hinter jeder Angst ein Wunsch verbirgt."

Das philosophisch angehauchte Lehrstück kann sich nie ganz zwischen Jean-Paul Sartres "Die Hölle, das sind die anderen" und einem Slasher-Film entscheiden. So schafft es "Edmond", weder düster und richtig schockierend zu sein, noch Mitgefühl mit dem einsamen Protagonisten hervor zu rufen. Aus einem provokativen Stoff ist leider ein seltsam glatter Film geworden, der kaum berührt.

22.03.2007

3

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