Eine Affäre in Paris Frankreich, USA 2003

Filmkritik

Zwei Amerikanerinnen in Paris

Filmkritik: Irene Genhart

"Le divorce" basiert auf einem Roman und ist eine Culture-Clash-Comedy. Obwohl somit genre- und sujetmässig James Ivorys Meisterwerken verwandt, mag dessen neuster Film diesen das Wasser nicht zu reichen.

"An American in Paris": Das ist, spätestens seit Vincent Minelli's gleichnamigem Film aus dem Jahr 1951, ein klassisches Sujet. Jüngste Variation darauf ist - nebst Bernardo Bertolucci's "The Dreamers" - James Ivory's Culture-Clash-Comedy "Le divorce". In deren Zentrum stehen zwei amerikanische Schwestern und ihre französischen Amouren. Roxeanne, die ältere, ist Dichterin und seit einigen Jahren mit dem noblen französischen Maler Charles-Henri de Persand verheiratet. Die beiden führten bis vor kurzem eine wild-romantische Künstlerehe. Sie haben ein Kind, das zweite ist unterwegs. Doch nun hat Charles-Henri die "Frau seines Lebens" kennen gelernt und will sich Hals über Kopf scheiden lassen.

Um Roxeanne in der schwierigen Situation beizustehen fliegt deren jüngere Schwester Isabel nach Paris. Das ist umso dringlicher, als Roxeanne bei ihrer Hochzeit ein zum Familienbesitz gehörendes, wertvolles Gemälde nach Paris mitnahm, das in der Hitze des Gefechts nun der Scheidungsmasse zugerechnet zu werden droht.

"Le divorce" beruht auf einem bestsellenden Roman der Amerikanerin Diane Johnson und beginnt durchaus heiter, mit einigen witzigen Szenen, in denen sich Kate Hudson und Naomi Watts - die eine den des nonchalanten, französischen "Savoir-Vivres" grad entdeckend, die andere dessen beinahe schon überdrüssig - sich über Paris und die Franzosen mokieren.

In der Folge allerdings dividiert sich die Story auseinander: Roxeanne geht mit "Hilfe" ihrer Schwiegermutter und eines netten Anwalts der Scheidung entgegen. Isabel verfällt dem Charme der Franzosen, beginnt erst eine Liaison mit einem Studenten, geht dann eine Affäre mit einem Politiker ein, der notabene der Onkel von Roxeannes Ex-Gatte in spe ist. Das schreit nach Skandal. Dies umso mehr als es Isabel an der nötigen Distinguiertheit fehlt, alsbald die ganze Umgebung um ihr Liebesleben weiss und Roxeannes Schwiegermutter alles tut, die Situation zu entschärfen.

Genre- und sujetmässig passt "Le divorce" gut zu James Ivorys früheren Werken, die - von "Maurice", über "A Room With A View" bis zu "The Remains of the Day" auf Romanen beruhend - vom Zusammenprall der Klassen und Kulturen berichtete. Qualitativ allerdings bewegt sich "Le divorce" weit ab von Ivory's Meisterwerken. Zum einen fehlt es der Nebenstory-überladenen Komödie an Stringenz. Zum anderen scheint, obwohl einzelne slapstickartige Szenen durchaus gelungen sind, das Komische weder Ivory noch den Hauptdarstellerinnen zu liegen.

So nimmt sich "Le divorce" stimmungsmässig aus wie eine Achterbahnfahrt, in deren Kurven der Zuschauer abgeworfen zu werden droht. Und Kate Hudson und Naomi Watts spielen derart eindimensional, dass dieErwähnung des Begriffs Schauspielkunst in Zusammenhang mit ihrem Namen pure Lüge zu sein scheint.

03.12.2003

3

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