Clara et moi Frankreich 2003 – 86min.

Filmkritik

Bühne frei für zwei

Filmkritik: Andrea Bleuler

Regisseur Arnaud Viard erzählt in seinem Debüt eine romantische Geschichte aus der Stadt der Liebe - Paris. Dabei konzentriert er sich ganz auf seine beiden Protagonisten - einen egozentrischen, mässig erfolgreichen Schauspieler und eine spätberufene Studentin.

Eine einmalige Gesangs/Musical-Einlage am nächtlichen Seine-Ufer und die Stadt Paris als Dekor - das sind die einzigen Extravaganzen, die sich Arnaud Viard in seinem Film über die Liebe gönnt. Der Rest der Geschichte muss - oder sollte zumindest - grösstenteils in den Gesichtern der Protagonisten stattfinden.

Antoine, ein 33-jähriger, grossstädtischer Single (gespielt von Julien Boisellier) findet die Liebe seines Lebens in der Metro. Clara (überzeugend: Julie Gayet), eine verführerische junge Frau, sitzt ihm gegenüber und reagiert amüsiert auf seine Zeichen: Zum Ende der Fahrt steckt sie ihm tatsächlich ihre Telefonnummer zu. Wenig später sind sie ein Paar.

Doch Viard interessiert sich für die dramatische Seite einer Beziehung mindestens ebenso wie für die romantische: Da gibt es Konkurrenten, Zweifel, aber insbesondere ein unüberwindbares Hindernis, an dem der schöne Traum zu zerbrechen droht: Claire ist HIV-positiv. Ja, der Film will sich eine dem Realismus verpflichtete Härte geben, die durch den Einsatz von Digital Video auch ästhetisch zum Tragen kommt. Virard verspricht, ganz nahe heranzugehen - und tut es dennoch nicht.

Zwar zeigt der junge Filmemacher die Sprachlosigkeit seiner Charaktere, die nie viel Essentielles über die Lippen bringen und zeigt den Helden in gar unsympathischem Licht. Im Endeffekt werden aber zu viele grosse Themen angerissen und nicht adäquat behandelt: Sterblichkeit, Ängste, Prüfsteine in der Liebe, Zwist mit dem Vater, verschmähte Liebhaber.

Ausgerechnet der Hauptdarsteller Julien Boissellier scheint mit der von diesen Themen verlangten Bandbreite an Emotionen absolut überfordert und verkriecht sich konstant hinter einem monotonen Lächeln. Dadurch fällt der eigentliche Erzähler aus und lässt das Publikum mit einem Gefühl der emotionalen Leere zurück.

07.06.2021

3

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Kommentare

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Gelöschter Nutzer

vor 16 Jahren

Ergreifend, lustig, melancholisch, traurig, einfach wunderba


evanescence

vor 16 Jahren

perfect


pemaha

vor 16 Jahren

er ist einfach nur langweilig!!


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