Wonderland Grossbritannien 1999 – 109min.

Wonderland

Filmkritik

Wunderland oder Chaos London?

Filmkritik: Susanne Rohrer

London kann bizarr sein, trist, chaotisch und verregnet. Trotzdem lieben wir es, und es zieht uns immer wieder hin. London ist angesagt, und die besten Ecken der Stadt kennt jeder. Aber eigentlich gibt es bis jetzt keinen Film über das wahre Leben in London. Hier ist Michael Winterbottom's Wonderland, ein intimes Tagebuch einer Londoner Familie, ein Einblick in das wirkliche Stadtleben. Eine Gebrauchsanweisung für London!

Drei Schwestern versuchen im Chaos der Grosstadt ihr kleines Stück vom persönlichen Glück zu finden. An diesem Wochenende kreuzen sich mehrmals ihre Pfade und die Ereignisse überschlagen sich.Und wir können ihnen dabei zusehen.

Nadia: Auf der Suche nach einer Beziehung hat sie sich bei einem Dating-Service angemeldet. Doch die Typen, mit denen sie sich trifft, sind entweder hoffnungslose Loser oder betrachten sie bloss als eine sexuelle Eroberung. Dabei übersieht Nadia im Café wo sie arbeitet den Stammgast, der sie nicht aus den Augen lässt.

Molly: Ihr Glück könnte perfekt sein. Sie hat einen liebevollen Mann, eine hübsche Wohnung, und bald wird ihr Baby auf die Welt kommen. Doch Ehemann Eddie hat seinen Job satt, die Kunden treiben ihn zum Wahnsinn. Er will mehr und kündigt, ausgerechnet jetzt, wo die Geburt direkt bevorsteht. Doch er hat den Mut nicht, es seiner Frau zu sagen. Als Molly es zufällig erfährt, ist die Hölle los. Am Sonntagmorgen heult sie sich bei ihren Schwestern aus, da setzen plötzlich die Wehen ein.

Debbie: Hat schon eine Ehe hinter sich und will ihre Jugend nicht verpassen, geniesst ihre Liebesabenteuer in vollen Zügen. Ihr elfjähriger Sohn wird übers Wochenende von ihem Ex abgeholt. Anstatt sich aber anständig um Jake zu kümmern, haut Dan ins Pub ab. Als er seinen Rausch ausgeschlafen hat, ist der Junge weg.

Eileen: Die Mutter der drei Schwestern ist um die 50, spiessig, von der Midlife Crisis schwer mitgenommen. Ihr Mann ist momentan arbeitslos und lässt die dauernde Nörgelei klaglos über sich ergehen. Am meisten macht Eileen der kläffende Nachbarshund zu schaffen, und eines Nachts macht sie sich daran, das Vieh endgültig zum Schweigen zu bringen.

Obwohl sich Michael Winterbottom ausdrücklich nicht den Regeln des Dogma unterworfen hat, verzichtet der Film doch auf ausgeklügelte Beleuchtungen, wurde mit Handkamera gefilmt und die Locations sind echt, die Gäste in den Cafés, Bars, im Coiffeursalon keine Statisten. Winterbottom hat den Schauspielern freie Hand gelassen, die Szenen sich entwickeln lassen. Zu diesem Zweck wurde sogar auf die berühmte Klappe verzichtet. So entsteht, in Verbindung mit ungewöhnlichen Kameratricks, eine Art Dokumentarfilm, in dem die Schauspieler wirklich zu einer Familie zu gehören scheinen. Dabei sind einige von ihnen wohlbekannt: aus Trainspotting (Shirley Henderson), Kissed (Molly Parker)oder Enemy of the State (Ian Hart). Gina McKee (Nadia) wird hoffentlich in Zukunft öfters zu sehen sein!

Als letztes noch ein CD-Tipp: Michael Nyman, der den Soundtrack für diesen Film gemacht hat, ist der Hauskomponist von Peter Greenaway. Wer nach Wonderland mehr Lust auf seine Musik bekommen hat, dem kann ich den Soundtrack zu Greenaways Draughtsman’s Contract sehr empfehlen!

07.08.2001

4

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