Kritik9. März 2018

Netflix-Tipp «Annihilation»: Natalie Portman auf Monster-Mission

Netflix-Tipp «Annihilation»: Natalie Portman auf Monster-Mission
© 2018 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

Schon mit seinem Regiedebüt «Ex Machina» demonstrierte der als Roman- und Drehbuchautor bekannt gewordene Brite Alex Garland eindrucksvoll seine inszenatorischen Fähigkeiten. Dass das packende und atemberaubend gefilmte Science-Fiction-Kammerspiel kein Glückstreffer war, unterstreicht nun sein zweiter Spielfilm «Annihilation».

Filmkritik von Christopher Diekhaus | Ab dem 12. März auf Netflix

Ins Herz des Schimmers

Seit mehreren Jahren ist in einer Küstenregion im Süden der USA ein merkwürdiges Phänomen zu beobachten. Eine geheime Regierungsorganisation hat die sogenannte Area X, die von einem leuchtend-wabernden Dunst umgeben ist, hermetisch abgeriegelt und versucht um jeden Preis, in Erfahrung zu bringen, was genau hinter dem als Schimmer bezeichneten Schleier vor sich geht. Bislang kehrte allerdings keine der entsendeten Expeditionen aus der mysteriösen Sperrzone zurück.

Eines Tages staunt die Biologin Lena (Natalie Portman) nicht schlecht, als ihr Ehemann Kane (Oscar Isaac) rund zwölf Monate nach seinem Aufbruch in die besagte Gegend plötzlich in einem angegriffenen Zustand und ohne Erinnerung zu Hause auftaucht. Nur wenig später fällt der Heimkehrer ins Koma, weshalb Lena eine folgenreiche Entscheidung trifft: Um die Gründe für Kanes kritische Verfassung zu erforschen und ihn zu retten, schließt sie sich einem neuen, rein weiblichen Erkundungstrupp unter der Führung der Psychologin Dr. Ventress (Jennifer Jason Leigh) an.

© 2018 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

Garland selbst zeigte sich von der Entscheidung Paramounts enttäuscht, seine Romanverfilmung lediglich in Nordamerika und China in die Kinos zu bringen und die Rechte für alle anderen Territorien an Netflix abzutreten. Verdient hätte der eigenwillige Science-Fiction-Streifen eine breite Leinwandauswertung in jedem Fall, da er dem Zuschauer zahlreiche spektakuläre Bilder eines urwüchsigen Naturraumes schenkt, der gleichermaßen faszinierend und furchteinflößend wirkt. Dass der US-Verleihgigant dem Streaming-Anbieter den Vorzug gab, dürfte in besonderem Maße mit dem ekstatisch-experimentellen letzten Akt zusammenhängen. Einer wilden Farben- und Bewegungsexplosion, die klassische Blockbuster-Sehgewohnheiten konsequent unterläuft.

Verglichen mit dem nervenaufreibenden «Ex Machina» fällt «Annihilation» etwas weniger packend aus. Kalt lässt einen Lenas Reise ins Herz des schimmernden Geheimnisses aber keineswegs. Vielmehr entwirft Garland ein komplexes Erzählgeflecht mit Zeitsprüngen und klug gesetzten Offenbarungen, das auf anregend-tiefgründige Weise Fragen nach dem menschlichen Sein, nach Identität und dem Verhältnis zur Natur in den Raum stellt. Dumm nur, dass Paramount den Mut des Regisseurs zu anspruchsvoller Unterhaltung nicht zu schätzen weiß!

Unsere Cineman-Sternewertung: 4 von 5 ★


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