Artikel11. April 2018

3 Gründe, warum «A Quiet Place» das Horror-Genre aufmischt

3 Gründe, warum «A Quiet Place» das Horror-Genre aufmischt
© Disney Schweiz

In einer Zeit, in der Macher unzähliger Horrorstreifen noch immer grösstenteils auf etablierte Plot-Twists, Genre-Klischees und ausufernden Gebrauch von Kunstblut setzen, gibt «A Quiet Place» einen neuen Ton an: Wir verraten euch, auf welche Weise der Film frischen Wind in das klassische Genre bringt.

Durch ein einzigartiges Konzept und einen originellen Plot spielt «A Quiet Place» brillant mit den Sinnen und Urängsten.

Für die Familie in Krasinskis Horrorfilm gelten drei Grundregeln: 1. Keinen Laut von sich geben, 2. Niemals den Weg verlassen und 3. Bei rotem Licht wegrennen. © Disney Schweiz

John Krasinski, seines Zeichens Regisseur und Hauptdarsteller von «A Quiet Place», ist mit seiner 3. Regiearbeit das gelungen, wovon viele nur träumen können: Mit Einnahmen von 50 Millionen Dollar verzeichnet sein neuestes Werk den zweitbesten US-Filmstart des Jahres. Der herausragende Erfolg kommt allerdings nicht ganz unerwartet, denn das vielversprechende Drehbuch des Films wurde 2017 auf der jährlichen Tracking Board Hit List als eines der 10 besten Filmmanuskripte des Jahres ausgezeichnet und lieferte Krasinskis Horror-Shocker damit mehr als nur eine solide Grundlage.

Das Konzept des Films, in dem die Protagonisten zu grossen Teilen lautlos durch Gebärdensprache kommunizieren, ist nicht nur wahnsinnig innovativ, sondern stellt sich bis in die letzte Sekunde dank des dadurch erzeugten Spannungsaufbaus als Zerreissprobe für die Nerven heraus. Schliesslich kann der leiseste Laut für die von blinden, aber mit einem übermenschlichem Gehör ausgestatteten Wesen bedrohten Protagonisten den sicheren Tod bedeuten.

So spielt der Film konstant mit der Wahrnehmung des Zuschauers, lenkt seine Aufmerksamkeit insbesondere durch den Hörsinn und unterstreicht diese Besonderheit durch einen fantastischen Score von Marco Beltrami, der seine unheimliche Wirkung, wie viele weitere Horrorfilm-Scores mit Dissonanzen, im Gegenzug dazu aber sehr viel mehr noch mit extremen Lautstärkeunterschieden entfaltet und die Spannung somit ins Unerträgliche treibt.

2. Der Horror-Schocker lässt verstaubte Genre-Klischees aussen vor.

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte: Die Angst steht der Mutter Evelyn Abbott (Emily Blunt) ins Gesicht geschrieben. © Disney Schweiz

«A Quiet Place» setzt nicht nur aufgrund seines aussergewöhnlichen Fokus auf den Hörsinn neue Massstäbe, sondern entledigt sich auch einiger verstaubter Klischees und Horror-Bausteine: Anstatt einer Story, die einen irren, maskierten Massenmörder sowie eine Meute zunächst feiernder Teenies – über die so gut wie nichts bekannt ist – involviert, liefert uns «A Quiet Place» eine starke Charakterstudie mit Horror-Elementen, in der jede Sekunde darauf verwendet wird, die Figuren und ihre Beziehungen untereinander zu beleuchten und vor allem im zweiten Teil des Films die Spannung zu steigern.

So unterhaltsam Horrorfilme nach dem Teenie-Massenmörder-Schema für Fans des klassischen Splatter-Films sein können, so belanglos und schnöde mögen sie für die übrigen Kinobesucher erscheinen. «A Quiet Place» entflieht diesem Muster auf sehr geschickte Art und Weise, versetzt einen nicht nur in Angst und Schrecken, sondern verbreitet zeitweise melancholische Stimmung, bringt einen zum Nachdenken und Mitfühlen mit den Protagonisten, deren Schicksal einen mehr mitnehmen könnte, als man es im Vorfeld jemals von einem Horrorfilm erwartet würde – wobei die Thematisierung des Familienzusammenhalts in nahezu aussichtslosen Situationen oder die Beleuchtung der Verarbeitung von Verlusten das Ihrige dazu beitragen.

3. Herausragendes Schauspiel krönt den Horror-Überraschungs-Hit.

Furcht, Trauer und Freude: Das Leben der Familie Abbott ist ganz und gar darauf abgestimmt, geräuschlos zu verlaufen. © Disney Schweiz

Spätestens nach «A Quiet Place» dürfte es kein Geheimnis mehr sein: John Krasinski, der sich bis anhin vor allem durch sein Schauspiel in der Comedy-Serie «Das Büro» einen Namen gemacht hat, weiss sowohl vor als auch hinter der Kamera, was er tut und hält sich als Hauptdarsteller in seinem eigenen Horrorstreifen unwahrscheinlich gut. Durchschnittliches Schauspiel kann die aussergewöhnlichsten Konzepte heftig ins Wanken bringen. Was den gewieften Horror-Thriller anbelangt, wird aber sehr schnell deutlich, dass eine solche Sorge in diesem spezifischen Fall absolut unbegründet ist: Alle Schauspieler legen sehr überzeugendes, emotional aufgeladenes Schauspiel an den Tag, wobei ihr wahres Leben abseits der Grossleinwand aber auch einiges zu dieser herausragenden Leistung beigetragen haben dürfte.

Während Emiliy Blunt und John Krasinski, die für den Film in die Rollen des Ehepaars Evelyn und Lee Abbott schlüpfen, nämlich auch im wahren Leben miteinander verheiratet sind, und die Chemie zwischen ihren Figuren auf der Wirklichkeit fusst, ist die durch das Drama «Wonderstruck» bekannt gewordene Jungdarstellerin Millicent Simmonds – wie im Film – auch tatsächlich taub. Den Machern von «A Quiet Place» soll es enorm wichtig gewesen sein, eine Schauspielerin einsetzen zu können, die nicht nur vorgibt, taub zu sein, und dieses Anliegen hat sich durch Simmonds, die ihre Rolle nicht nur überzeugend spielt, sondern es den anderen Schauspielern auch erleichterte, die Gebärdensprache zu erlernen, bezahlt gemacht.

Umfrage 36

Das waren sie also: 3 Gründe, warum «A Quiet Place» das Horror-Genre aufmischt. Was macht deiner Meinung nach einen richtig guten Horrorfilm aus?

Ist dieser Artikel lesenswert?


Kommentare 0

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung