Omen Belgien, Kongo, Dem. Rep. (ex Zaire), Frankreich, Deutschland, Niederlande, Saudi-Arabien, Südafrika, USA 2023 – 90min.

Filmkritik

Rückkehr in den Kongo

Filmkritik: Fanny Agostino

Der erste Spielfilm des Rappers Baloji, der in Cannes mit dem Nouvelle Voix-Preis ausgezeichnet wurde, verknüpft die Schicksale von vier Personen, die von ihrer Gemeinschaft als Zauberer bezeichnet werden. Der von Märchenwelten geprägte und mystisch angehauchte Film «Augure» fokussiert sich auf seine Ästhetik und Inszenierung, selbst auf die Gefahr hin, sich in seinem eigenen Spiegelbild zu verlieren.

Koffi (Marc Zinga) und seine schwangere Frau (Lucie Debay) sind nervös. Vor über einer Stunde sollten sie von seiner Schwester am Ausgang des Flughafens abgeholt werden. Das Paar beschliesst, ein Auto zu mieten, um zu Koffis Familie zu fahren. Das Wiedersehen ist frostig: Nach 15 Jahren Abwesenheit spricht niemand wirklich mit dem älteren Bruder, der nach Europa gezogen ist, um dort ein neues Leben zu beginnen. Bei dem Familienessen, zu dem der Vater erwartet wird, herrscht eine seltsame Atmosphäre. Die Anwesenheit von Koffi trägt ihren Teil dazu bei.

Es ist unmöglich, den Anfang des Films des belgisch-kamerunischen Regisseurs Baloji zu sehen, ohne an den Horrorthriller «Get Out» zu denken. Dieses Mal ist das Machtverhältnis umgekehrt: Eine weisse Frau wird in eine kongolesische Familie eingeführt. Der Regisseur spielt mit den Spannungen in der Familie und lässt Zweifel an den Gründen für das Unbehagen aufkommen. Schnell wird jedoch klar, dass der Älteste der Geschwister mit einem Muttermal im Gesicht geboren wurde, was ihn zu einem besonderen Wesen, einem Hexer, macht.

Der Film besticht durch seine Ästhetik – die Farben passen sich mit unterschiedlichen Filtern an die dargestellte Perspektive an – sowie durch die Sorgfalt, mit der er aufgenommen wurde. Die Sequenzen sind fesselnd: Die gesamte Besetzung ist daran beteiligt, wie zum Beispiel der junge Paco (Marcel Otte Kabeya), ein Strassenkind in einem rosafarbenen Prinzessinnenkleid. Der Film ist fliessend und weist in einigen Teilen surreale Momente auf. Davon zeugen die Passagen, in denen Karneval und Voodoo-Rituale vermischt werden, oder der Moment, der vom Märchen Hänsel und Gretel inspiriert ist. Die Erzählung wird dabei zur Nebensache und der Spielfilm öffnet sich neuen Perspektiven, die dem Performativen nahe kommen.

Eine Erzählung im Herzen von Familiengeheimnissen und kultureller Entwurzelung: «Augure» ist ein experimenteller Debütfilm, der aus den Konventionen ausbricht. Trotz einer etwas redundanten Gestaltung der traumhaften und poetischen Teile hat Baloji einen überraschend guten ersten Film geschaffen und markiert ein bezauberndes Territorium mit lyrischen Anklängen.

06.05.2024

4

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