Color of Heaven Spanien 2022 – 88min.

Filmkritik

Im Sog der Erinnerungen

Irene Genhart
Filmkritik: Irene Genhart

17 Jahre nach ihrer Trennung begegnen sich eine Schauspielerin und ein Philosoph in einem Hotel am Vierwaldstättersee zufällig wieder. Das Regiedebüt von Joan-Marc Zapata erzählt von einer verpassten Liebe und liebäugelt mit grossen Hotelfilmen wie «L’année dernière à Marienbad» von Alain Resnais und Paolo Sorrentinos «Youth».

Die Hollywood-Schauspielerin Olivia Brontë reist für ein Fotoshooting in die Innerschweiz. Im Hotel begegnet sie zufällig dem Philosophen Tristán De Val, der an einer Tagung teilnimmt. Die beiden waren früher ein Paar, haben sich aber aus den Augen verloren. Die von Erinnerungen angefeuerten Gespräche, die sie im Verlauf der folgenden Tage miteinander führen, werden zur vertieften Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Sinn des Lebens, dem Preis von Erfolg und der Definition von Glück.

«El color del cielo» ist der erste Spielfilm von Joan-Marc Zapata. Gedreht wurde die spanisch-schweizerische Co-Produktion rund um den Vierwaldstättersee, erzählt wird von der Begegnung eines Paares 17 Jahre nach der Trennung. Anders als nahe läge, schwelgt man nach zögerlicher Neuannäherung nicht in Erinnerung, sondern verliert sich in der Auseinandersetzung über früher bereits Thematisiertes: Ihre Erfolgsversessenheit, seine existenzialistische Denkweise und die Frage, was sie im Leben ohneeinander erreicht haben.

Zapata hat «El color del cielo» im Format 4:3 gefilmt. Das passt gut zu der von trutzigen Bergen begrenzte Landschaft, spiegelt zugleich aber auch die Enge der Beziehung. Das Tempo des Films ist gemächlich, die Stimmung unaufgeregt, einzig als man den Hotelgästen mitteilt, dass sie aus näher nicht erklärten Gründen das Gelände nicht erlassen dürfen, kommt Hektik auf. «Color of Heaven» ist mit Marta Etura und Francesc Garrido gut besetzt und elegant gespielt. Eine flinke Stilübung und eine wunderbar dezente Romanze.

21.11.2022

3.5

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