Der geheime Garten Grossbritannien 2019 – 106min.

Filmkritik

Der Garten der geheilten Sorgen

Sven Papaux
Filmkritik: Sven Papaux

27 Jahre sind seit der heutigen Buchadaption und jener von 1993 vergangen. Das Kinderbuch, geschrieben von Frances Hodgson im Jahr 1911, wurde auch sonst schon oft verfilmt. Marc Munden zeigt sich nun für diese neue, etwas lehrbuchhafte Version verantwortlich.

Im von Konflikten und Krankheiten geprägten Indien verliert ein junges Mädchen beide Elternteile. Frisch verwaist reist Mary Lennox (Dixie Egerickx) deshalb nach England zurück, um bei ihrem Onkel (Colin Firth) zu leben. Im grossen, seelenlosen Herrenhaus auf dem Lande ist es vor allem die raue Natur, die sie zu schätzen lernt. Sie macht Bekanntschaft mit ihrem Cousin Colin (Edan Hayhurst), einem Jungen namens Dickon (Amir Wilson), einem Hund mit dem Spitznamen Jemima und einem Rotkehlchen. Gemeinsam entdecken sie eines Tages den geheimen, aussergewöhnlichen Garten, wo sie ihre ewige Freundschaft besiegeln.

Ein Märchen, das sich an Kinder richtet, aber auch an verlorene Seelen, an Trauernde, an vom Leben und von Verlust gezeichnete Menschen. Zum Beispiel dann, wenn der Himmel sich weitet, um die ultimative Botschaft zu überbringen: Dass man Freude zulassen muss, um mit seiner Trauer leben zu können – und mit schmerzenden Erinnerungen sowie einer Vergangenheit, die von Leid geprägt ist. Der geheime Garten schafft es, diese essentielle Geschichte im Vergleich zur manchmal etwas monotonen Vorlage zu verdichten, ist aber zu konventionell und lehrhaft, um der Geschichte neuen Auftrieb zu verleihen. Marc Munden (Utopia, Electric Dreams) hat das Glück, für seinen Film auf das reichhaltige Ausgangsmaterial zurückgreifen zu können, und Drehbuchautor Jack Thorne (The Aeronauts, His Dark Materials) geht mit viel Vorsicht an die schöne Geschichte von Frances Hodgson Burnett heran.

Der Film strahlt trotz der Behandlung von Themen wie Einsamkeit und Melancholie eine menschliche Wärme aus. Er ist eine Ode daran, seine schmerzhafte Vergangenheit hinter sich zu lassen, im Film dargestellt durch die langen, verlassenen Gänge im gotischen Herrenhaus. Im Kontrast dazu steht der Zauber des sogenannten geheimen Gartens. Aus dem Landgut namens Misselthwaite Manor ist längst alle Freude gewichen. Der Krieg ist auch hier durchgezogen, während der Garten lebt: Mit zahlreichen Bäumen, einer üppigen Flora und leuchtenden Farben passiert die Heilung hier fast wie von selbst. Eine Entdeckung, die auch die junge Mary Lennox, gespielt von der exzellenten Dixie Egerickx (Der kleine Fremde, Patrick Melrose), macht.

Der Garten ist ein Tor zur Akzeptanz und zur Heilung. Es ist ein Ort der Beschwichtigung für gebrannte Kinder und für schutzbedürftige Erwachsene. Kurz gesagt öffnet Der geheime Garten, musikalisch sanft unterlegt von Dario Marianelli, dort wo das helle Draussen auf die düsteren Innenräume aufeinandertreffen eine Tür, wo man Seelentrost finden kann. Und das ist äusserst berührend.



05.10.2020

3.5

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Kommentare

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Patrick

vor 6 Tagen

Mit einer Pompösen Ausstattung umgesetzt sowie wurde der Roman sehr liebevoll verfilmt.Die Story ist teilweise etwas langweilig aber die Magie der Geschichte geht dennoch nie verloren.

Zuletzt geändert vor 6 Tagen


Julia

vor 20 Tagen

Habe Besseres erwartet von einem Fantasiefilm. Jedenfalls, was der Trailer vermuten lässt. Er kommt eher düster und unsympathisch rüber, vorallem die Dialoge sind garstig, gestellt. Trotzige Figuren, fast durchs Band. Da können plötzlich blühende Blumen und Bäume, wie grüne Wiesen kaum die Stimmung heben...Mehr anzeigen


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