Rebelles Frankreich 2019 – 87min.

Rebelles

Filmkritik

Gelegenheit macht Diebinnen

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Eine Tasche voller Bargeld fällt plötzlich in die Hände dreier vom Glück vernachlässigter Frauen, denen sich damit unerwartet ein Ausweg aus ihrer Misere bietet. Regisseur und Drehbuchautor Allan Mauduit (Vilaine) nutzt diese Prämisse für einen turbulenten, schwarzhumorigen Spiessrutenlauf, der ein bisschen an die Räuberpistolen eines Quentin Tarantino denken lässt.

Pleite und genervt von ihrem gewalttätigen Ehemann zieht es Sandra (Cécile de France) zurück in ihr ungeliebtes Heimatstädtchen im Norden Frankreichs, wo sie bei ihrer in einem Wohnwagen hausenden Mutter (Béatrice Agenin) unterkommt. Arbeit findet die einst von einer grossen Modelkarriere träumende Ex-Schönheitskönigin fürs Erste in einer örtlichen Fischkonservenfabrik. Als ihr Chef (Patrick Ridremont) sie eines Tages vergewaltigen will, setzt sich Sandra resolut zur Wehr. Mit dem Ergebnis, dass der Angreifer zunächst sein bestes Stück verliert und kurz darauf im Durcheinander zu Tode stürzt. Ein Missgeschick, das die hinzukommenden Kolleginnen Marilyn (Audrey Lamy) und Nadine (Yolande Moreau) entgeistert mitverfolgen. Da der Verstorbene eine Sporttasche voller Geld bei sich hat, beschliessen die drei Frauen, den Fund an sich zu nehmen und die Leiche heimlich zu entsorgen.

Das Grundprinzip ist altbekannt. Die Beseitigung eines Toten und unverhoffter Reichtum ziehen im Film in Windeseile gravierende Probleme nach sich. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zerplatzt mit einem lauten Knall. Und nicht selten steht aus heiterem Himmel das eigene Leben auf dem Spiel. So auch in diesem Fall. Denn Sandra, Marilyn und Nadine vergreifen sich an den Einnahmen skrupelloser Drogengangster, die sich schon bald auf die Suche nach der verschwundenen Kohle machen.

Rebelles ist keineswegs besonders innovativ, schleudert dem Zuschauer einige Zufälle um die Ohren und arbeitet mit vielen Überzeichnungen, schafft es aber dennoch, frisch und dynamisch zu wirken. Wo sonst bevorzugt Männer vom Regen in die Traufe stolpern, sind es hier drei höchst unterschiedliche Frauen, die in Teufels Küche kommen und sich zunehmend verzetteln. Dank des schwungvollen Spiels der Hauptdarstellerinnen drückt man dem langsam zu einer Gemeinschaft zusammenwachsenden Trio rasch die Daumen, zumal die Damen ihrer Umwelt immer entschlossener die Stirn bieten. Die temporeich inszenierte, mit herrlich absurden Eskapaden garnierte Komödie als feministisches Manifest zu bezeichnen, wäre sicherlich zu hoch gegriffen. Mauduit reisst aber immer wieder die Frage nach dem Verhältnis der Geschlechter an und verleiht seinen aus der Unterschicht stammenden Heldinnen eine rundum sympathische Ausstrahlung, während das männliche Personal brutal, tumb und ahnungslos daherkommt.

23.07.2019

3.5

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Kommentare

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8martin

vor 4 Monaten

Endlich mal ein Film, der einen Vergewaltiger so bestraft wie es der feministische Stammtisch immer wieder gerne fordert: Schnippschnapp!
Das geniale Debüt von Alan Mauduit ist eine Komödie, die in einen Krimi übergeht. Drei Mädels (hervorragend gecastet: Sandra (Cécile de France), Nadine (Yolande Moreau) und Marilyn (Audrey Lamy) werden durch ein Verbrechen der besonderen Art zusammengeführt. Ihr gemeinsamer Arbeitsplatz ist eine Fischfabrik des Ortes. Sandra, der heimgekehrten Schönheit von einst, gelingt es Jean-Mi (Patrick Ridremont) beim Versuch sie zu vergewaltigen den Schnüdel mit der Kante des Garderobenspinds abzutrennen. Als sie bei ihm eine Tasche mit Geld findet, helfen ihr die Kolleginnen, die Leiche via Fischkonservendosen zu entsorgen. Sie müssen erst in die Fabrik dann in die örtliche ‘Tafel‘ einbrechen. Und Jean-Mis abgetrennte Kronjuwelen vom Schreibtisch de Chefs mitgehen lassen. Komödiantisch!
Das Geld gehört der Mafia und die wollen es wiederhaben. Der Plot verzweigt sich in sehr persönliche Bereiche und hält so die Spannung hoch: der Zwischenhändler und Drogendealer Simon (Simon Abkarian), entpuppt sich als Sandras Vater, dem die Mafia im Nacken sitzt und der Typ, den Sandra in der Disco aufreißt ist ein Bulle (Samuel Jouy), der auch Dreck am Stecken hat und in die Provinz strafversetzt wurde. Die drei Mädels werden die Ganoven los mit viel Ballerei, Autounfällen und Prügel. Sie alle brauchen das Geld und es geht weißgott dabei nicht zimperlich zu: die Mädels schießen, verteilen Kinnhaken und entkommen gekonnt aus allen noch so ausweglos erscheinenden Situationen. Am Ende treffen sich alle Beteiligten mit gezogenen Pistolen bei Nadine. Es gibt eine Riesenballerei! Die Gangster sind nicht wie so oft strunz blöd, sondern echt gefährlich, doch die Girls sind cleverer und schlagen gekonnt zurück.
Ein langgezogener Schluss beschließt diesen Klassefilm, der auch noch überraschende Wendungen enthält. Ein neuer Stern am französischen Filmhimmel, den man sich merken sollte. Diesen Film kann man sich mehrmals anschauen.Mehr anzeigen


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