Fifty Shades of Grey USA 2015 – 125min.

Fifty Shades of Grey

Filmkritik

Peitschenschwingen und Poklapsen

Michael Lang
Filmkritik: Michael Lang

Die Romantrilogie der Britin E.L. James erreicht aktuell eine Auflage im hohen zweistelligen Millionenbereich. Ob alle Bücher ganz gelesen werden, ist unwahrscheinlich und egal. Der "Grey"-Hype geht jetzt mit dem Film zum Lustgerangel im BDSM-Märchenreich weiter. Inszeniert hat ihn munterbunt und klischiert die englische Regisseurin Sam Taylor Johnson. Sie liebäugelt zwar mit der Verruchtheit, wagt aber in keinster Weise den Tabubruch. Das wäre sehr langweilig, würde nicht Dakota Johnson als widerspenstige Devote brillieren.

Die Story: Ana, jungfräuliche Studentin der Literatur, lernt beruflich den 27jährigen Milliardär Grey kennen. Der schnieke Manager und Womanizer wittert Beute, lockt das "Huscheli" in seine sterile Luxuswelt, will sie per Vertrag zur Lustgespielin machen. Geschmeichelt und sehr neugierig macht Ana mit und ist bald von Grey gefesselt, im Sinne des Wortes. Doch schnell mausert sie sich vom Hörsaal-Aschenputtel zur selbstbewussten City-Lady.

Amour-Fou-Dramen sind dann plausibel, wenn die Partner auf Augenhöhe agieren, was hier nicht der Fall ist. Dem Ex-Werbespot-Star Jamie Dornan nimmt man weder den Businessman und schon gar nicht den mysteriösen Dominus ab: Weil er kein Akteur der Eliteklasse ist und weil ihm das Drehbuch kaum Entwicklungschancen gönnt. So wirkt der schöne Mensch konturenlos und verblasst zusehends neben Dakota Johnson (Tochter der Hollywoodstars Don Johnson und Melanie Griffith). Ihr sieht man gerne zu, auch wenn sie angezogen ist.

Wer also ein intelligentes Filmdrama mit psychologischer Tiefenschärfe erwartet, wird enttäuscht. Gilt auch für die Sexszenen: Mit ein bisschen Peitschenschwingen, Eiswürfeltupfen oder Po-Klapsen ist das Grey-Universum nur unzureichend erklärt. Da wäre es anregender, im Zirkus dem Dompteur zuzuschauen, wenn er Raubkatzen domestiziert und gleichzeitig ihrer Urkraft erliegt. Von dieser Magie des Wechselspiels von mentaler und körperlicher Unterwerfung und Beherrschung ist im Film kaum was spürbar.

Darum empfehlen wir für einmal das Lesen, das Kopfkino. Das wird den Filmproduzenten schnuppe sein, denn dem Werk ist ein Millionenpublikum gewiss. A propos: In einer hübschen Szene am Anfang kauft Grey bei Ana, die in einem Laden jobbt, Kabelbinder, Seile und Abdeckbänder. Wir ahnen wofür und raten: Wer im richtigen Leben expliziten Sexperimenten zuneigt, sollte erste Lust-Spielzeuge nicht in teuren Boutiquen kaufen. Mit kostengünstigen Utensilien und etwas Fantasie kann man hübsche Sachen zum Schätzelen selber basteln. Und falls es nicht wie erwartet klappt, ist alles im Haushalt wieder verwendbar.

13.02.2015

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Kommentare

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Janissli

Diesen Film kann man echt weglassen. Durch die doofe Musik und die "Laien" Darsteller, wirkt das ganze wie ein schlechter Fernsehfilm. Schade, habe mir aufgrund des grossen Aufruhrs viel mehr gewünscht.

Fifty Shades of Grey 1

movie-junkie

Noch ein letzer Kommentar. Die beste Szene ist die, in der sie grade aus dem "playroom" kommen und er erfährt, dass sie Jungfrau ist. Er packt sie einfach am Arm und rennt mit ihr ins Schafzimmer: 'DDD
Das war so schlecht gespielt.

Fifty Shades of Grey 1

movie-junkie

Noch etwas ich habe von Leuten gehört, die sm Ende geweint haben, obwohl sie das Buch gelesen haben und somit das Ende bereits kannten. Ich musste auch fast weinen, weil der Film so schlecht war, dass ich nicht wirklich drüber lachen konnte.

Fifty Shades of Grey 1

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