Chico & Rita Spanien, Grossbritannien 2010 – 94min.

Filmkritik

Cuba, mi amor

Filmkritik: Cindy Hertach

Der farbenprächtiger Animationsfilm lässt Kubas Musik der späten 40er Jahre aufleben. Gleichzeitig ist die Liebesgeschichte eines jungen Pianisten und seiner geliebten Sängerin eine einzigartige Hommage an den kubanischen Jazz.

Kuba, 1948: Chico ist ein begnadeter, aber namenloser junger Pianist. Als er die ebenso erfolglose, aber talentierte Sängerin Rita entdeckt, verliebt er sich sofort in sie. Er hat Glück, denn die gemeinsame Leidenschaft für die Musik lässt die beiden schnell zum Liebespaar und später auch zu internationalen Stars werden. Doch wie die Musik das Liebesglück erst möglich macht, trägt es auch zu dessen Scheitern bei. Rita wird von einem amerikanischen Produzenten entdeckt und startet in New York eine Solo-Karriere. Auch Chico winkt in den USA der Erfolg - er trifft auf grosse Jazz-Musiker wie Charlie Parker oder Thelonious Monk und tourt schliesslich mit Dizzy Gillespie durch Europa. In den Jahren ihres Erfolgs begegnen sich Rita und Chico nach ihrer Trennung immer wieder, doch die kurzen Momente des Glücks währen nie länger als eine Nacht. Und als Chico als Opfer einer Intrige nach Kuba, mitten in die Revolution, ausgeschafft wird, scheint er nicht nur Rita für immer verloren zu haben, sondern auch die Musik. Denn nach der Revolution wird in Kuba Jazz als Musik des kapitalistischen Feindes verbannt.

Das grossartige animierte Liebesdrama entstammt der fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen dem spanischen Regisseurs Fernando Trueba und dem Designer Javier Mariscal. Trueba, der in den letzten Jahren bereits zwei Dokumentarfilme über lateinamerikanischen und kubanischen Jazz (Calle 54 und Blanco y Negro) gedreht hatte, rückt auch in Chico y Rita hauptsächlich die Musik - statt der etwas schematischen Liebesgeschichte - in den Mittelpunkt des Films. Der Soundtrack stammt aus der Feder von Bebo Valdés, dem Protagonisten in Truebas Dokumentarfilm Calle 54 und einer der grössten kubanischer Musiker überhaupt.

Es ist, neben dem lebenslustigen Kuba der 1940er, auch die gegenseitige Beeinflussung und Verschmelzung zweier Musikrichtungen, die der Film mit lauten und mitreissenden Tönen zelebriert: Als sich die kubanischen Musiker vermehrt am New Yorker Bebop-Jazz orientierten, nahmen zeitgleich auch die Jazzer in den USA lateinamerikanische und kubanische Strömungen auf. Jene Verschmelzung der beiden Jazz-Stile inszeniert der Film schliesslich als Konzertszene in einem seiner zahlreichen fulminanten ästhetischen Höhepunkten. In klaren und weichen Strichen lässt Trueba den Künstler Mariscal eine akribisch rekonstruierte Welt entwerfen, welche die lebenshungrige und vibrierende Atmosphäre im Havanna, New York, und Paris dieser Zeit zum Leben erweckt - und bettet in dieser Kulisse, perfekt auf die farbenfrohen Bilder abgestimmt, den mitreissenden Jazz dieser Zeit ein. So ist der Film, auch wenn er immer wieder auf historische Ereignisse verweist, eher musikalische denn politische Zeitgeschichte, in jedem Fall aber bittersüsse Liebesgeschichte.

02.11.2011

5

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