Sex and the City USA 2008 – 144min.

Filmkritik

Labels und Liebe

Isabelle Stüssi
Filmkritik: Isabelle Stüssi

Kann man je genug bekommen von Carrie & Co? Als eingefleischter "Sex and the City"-Fan lautet die Antwort vehement: nein, niemals! Endlich kehren die vier neurotischen Fashionistas aus New York zurück - diesmal auf Grossleinwand. Grösser mag nicht immer besser sein. Fans werden den Film trotzdem lieben.

Als die Serie 1998 das erste Mal ausgestrahlt wurde, revolutionierten die vier smarten Singlefrauen aus New York, wie frau über Sex sprach. Damit brachen sie Tabus und versicherten den Frauen, dass man sich als unabhängige und starke Frau behaupten kann und sich gleichzeitig für Mode interessieren darf. Doch nicht nur der Sex- und Fashiontalk trug dazu bei, dass sich die Serie im Nu in die Herzen eines Millionenpublikums spielte. Es begeisterten auch die in Manier der "Screwball-Comedies" gehaltenen rasanten Dialoge. Geistreiche Wortspiele erzählten Geschichten aus dem Single-Alltag. Mit diesem ist es in "Sex and the City: The Movie" nun definitiv vorbei. Fehlt dem Film darum der gewohnte Biss?

Der Film setzt vier Jahre nach der sechsten und letzten Staffel ein. Miranda lebt noch immer mit Steve in Brooklyn. Allerdings schlägt sie sich mehr schlecht als recht mit dem Alltag einer berufstätigen Mutter herum. Sprich: Sie findet kaum noch Zeit für die Intimrasur, ganz zum Degout von Samantha. Die ist unterdessen nach L.A. gezogen, wo sie ihren Freund managt und versucht treu zu bleiben. Nicht so einfach, denn ihr Nachbar sieht "zum Anbeissen" aus. Charlotte hingegen hat ihr Glück mit Harry gefunden und widmet sich ganz der Erziehung ihrer Adoptivtochter. Carrie ist inzwischen erfolgreiche Buchautorin und führt eine feste Beziehung mit Mr. Big - sie wollen heiraten! Kalte Füsse sind vorprogrammiert.

Regisseur und Drehbuchautor Michael Patrick King legte den Schwerpunkt bewusst auf das Danach jener letzten Märchen-Zeilen "Und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende". Wer sich also auf pikante Sex-Eskapaden und neue amouröse Begegnungen eingestellt hat, wird enttäuscht. Dafür zeigt "SATC: The Movie", dass, wenn man die Liebe gefunden hat, die Probleme erst recht beginnen, weshalb die Subplots dramatischer und ernster ausfallen. Schliesslich sind auch die Darstellerinnen zehn Jahre älter. Diese Reife übertragen sie auf ihre Rollen. Das ist gut, denn auch das Publikum ist mitgealtert. Hingegen ist in Sachen Hysterie alles beim Alten geblieben; beispielsweise, wenn Carry beim Anblick eines nigelnagelneuen begehbaren Kleiderschranks wild auf ihren Manolos herumhüpft.

Auch Fashion-Freundinnen kommen auf ihre Kosten: Was sich bereits in der letzten Staffel abzeichnete, wird hier zelebriert - das Kostüm als Spektakel. Sarah Jessica Parker hatte für den Film über 80 Outfits zur Verfügung. Wenn Carrie in Roben von Lanvin, Vivienne Westwood und Oscar de la Renta defiliert, dann wird der Film zur Modenschau. Frau seufzt und träumt.

Im Presseheft steht, es komme auf die Grösse an, zumindest, wenn es um Bildformate geht. Doch grösser ist bei "Sex and the City: The Movie" nicht unbedingt besser. Vielmehr setzt der Film den gebührenden Schlusspunkt für die Serie und damit für eine längst hinter uns liegende Ära, in der Ru Paul noch die "Supermodels" besang und das Wort "Subprime" ein unbekanntes war. Doch weil's mit den "Fabulous Four" so schön war, lacht und weint man gerne ein allerletztes Mal mit. Und das nicht ohne Begeisterung.

14.05.2010

4

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Kommentare

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1234jopy

vor 7 Jahren

kommt bei weiten nicht an die TV Serie ran, nur was für Riesenfans.


sphynx

vor 11 Jahren

Miserabel!


2fuexli

vor 11 Jahren

Ein "muss" für Sitc-Gucker;) --- aber bei Weitem nicht so gut wie die Serie!


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