Die Blume des Bösen Frankreich 2003 – 104min.

Die Blume des Bösen

Filmkritik

Die Kennedys der französischen Provinz

Filmkritik: Eduard Ulrich

Nur die Mutter ist gewiss, möchte man mit einem Spruch aus dem Volksmund antworten, wenn man diese abgründige Familiengeschichte endlich begriffen hat. Stiefgeschwisterliebe oder halber Inzest? Mord oder Unfall? Mitglied der Résistance oder Helfershelfer der deutschen Besatzer? Liebelei oder Ehebruch? Claude Chabrol vermengt viel aufregenden Stoff zu einem unaufgeregten Film.

Wenn der französische Altmeister Claude Chabrol ein weiteres Werk vorlegt, sind die Erwartungen hoch. Natürlich lässt er stilistisch und handwerklich nichts anbrennen: Kamera- und Schauspielerführung sind erste Sahne, Musikauswahl, Ausstattung und Inszenierung sind tadellos und sorgfältig abgeschmeckt, die Gänge werden in einem verdaulichen Rhythmus serviert.

Wenn dieses Gericht der Nouvelle Cuisine nicht ganz mundet, dann kann es eigentlich nur an der wenig originellen Geschichte liegen, die zwar viele (zu viele?), aber eben doch bekannte Zutaten vereint. Nicht dass der Film abgestanden schmecken würde! Vielmehr erlebt man mitunter ein Déjà vue, das im Film weniger goutiert wird als bei wirklichen Speisen.

Zwei Familiengeschichten, die schicksalhaft immer wieder verschmelzen, werden peu à peu aufgerollt. Gerade ist die nächste Generation dabei, in die Fußstapfen der Eltern zu treten, indem die erwachsen gewordenen Stiefgeschwister Michèle (Mélanie Doutey) und François (Benoît Magimel) sich zu ihrer schon lang bestehenden Zuneigung bekennen. Vielleicht war diese unterschwellige gegenseitige Anziehung der eigentliche Grund, warum François für einige Jahre in die USA ging oder floh.

Als ihn sein Vater Gérard (Bernard Le Coq) am Anfang des Films vom Flughafen abholt, fällt die gegenseitige Begrüßung recht geschäftsmäßig aus - ganz im Gegensatz zur späteren Begrüßung seiner Stiefschwester und seiner Stiefmutter Anne (Nathalie Baye). Etwas anachronistisch wirkt hierbei die Thematik des wechselseitigen Erzählens der Erleb- und Vorkomnisse im Zeitalter von Telefon und E-Mail.

Aktuell ist dagegen die Problematik der Verleumdung politischer Gegnerinnen. Anne kämpft um das Bürgermeisteramt in einer südfranzösischen Kleinstadt, in der ihr Mann eine größere Apotheke mit angeschlossenem Labor betreibt. Sie wird von einem feschen Assistenten (Thomas Chabrol) unterstützt, den ihr Mann - offenbar aus Eifersucht - nicht ausstehen kann, obwohl er selbst öfter mal ein Auge auf eine alleinstehende Dame wirft, wozu ihm seine Apotheke ein ideales Feld bietet.

Da tauchen Flugblätter auf, die ein dunkles Kapitel in der Vergangenheit der beiden Familien zur Sprache bringen und den Ruf der Familie beschädigen sollen. Wer steckt dahinter und was ist an den Vorwürfen dran, die bis in die Zeit der Résistance zurückreichen, sind die Fragen, die uns bis zum Schluss des Filmes beschäftigen. Das Bindeglied in die Vergangenheit bildet Annes Tante Line (Suzanne Flon), die als der gute Geist der Familie den Haushalt im herrschaftlichen Wohnsitz auf dem Land organisiert und sogar in ihrem uralten 2CV durch die Gegend kutschiert, wenn es nötig ist. In ihr stecken allerdings noch ganz andere Qualitäten. Für Unterhaltung ist also gesorgt in dieser Komödie, die mit einem Schuss Tragik gewürzt wurde.

29.04.2010

0

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

tuvock

vor 15 Jahren

Wer sich nicht auskennt bei der 98 Minuten dauernden Kriminalgeschichte ist nicht dumm, ich habe mich auch nicht ausgekannt, es ist alles irre kompliziert, ein richtiger Kunstfilm für Studenten und Filmkritiker, oder Leute die sehr intelligent sind. In dem Film gibt es so viel Tod und Mord. Die Darsteller spielen Ihre Rolle sehr überzeugend, das muss ich den Franzosen lassen, das ist wie wenn Deutsche Laiendarsteller oft spielen, einfach gut und überzeugend, nicht so hollywoodverkitscht wie viele Filme, doch ist die Geschichte eigentlich sehr langweilig.

Gerard z. B ist ein Egozentriker, die Ehe mit Anne ist eine Farce, und das spürt der Zuseher auch. Er ist ja Apotheker und jagt dem schönen Geschlecht nach, er will Macht, und auch das merkt man, denn er spielt die Rolle auch sehr gut, allerdings ist er sehr wenig zu sehen. Das ganze erinnert mich übrigens ungefähr an die Machart von „ The Hours“. Der Inzest beginnt in der Jugend von Michele und Francois, die sich schon damals lieb hatten, doch ob die beiden je heiraten werden?

In der Geschichte steckt so viel Mord und Kriminalität wie in einem Agatha Christie Roman, nur das die Story irre langweilig inszeniert wurde und ungefähr wie „ 8 Frauen“ rüberkommt. Anne und Matthieu haben sich so viel versprochen, doch als sie den Sieg bei der Wahl hat, vergisst sie ihn, ein gutes Beispiel dafür wie Macht den Menschen leitet. Dann hilft Michele der Tante Line eine Leiche die Treppe raufziehen, und dazwischen vergeht wieder sehr viel, was man nicht so einfach nacherzählen kann.

Der Soundtrack ist ruhig und besonnen, er ist nicht so wild und auch nicht aufdringlich, er unterstreicht eigentlich nur. Der Film hat viele eigenartige Wendungen, und er ist auch nicht spannend finde ich. Sicher ist die Story gut, es geht um Jahre die vergessen sind, und Jahrzehnte die noch kommen, ein Blick aus der Vergangenheit in die Zukunft und umgekehrt in die Gegenwart wieder zurück, um die Leichtigkeit des Seins und den Sinn des ganzen. Der Film ist was für Kritiker, nicht für jeden, und dem wenigstens würde er gefallen, warum an sich das im Kino ansieht ist mir auch ein Rätsel, ich sehe mir nie wieder einen Chabrol Film im Kino an.

Ich habe mir mehr erwartet von dem Film, nach 20 Minuten wusste ich nicht um was es bei dem Film geht, genauso wenig wie nach 80 Minuten, und kapiert habe ich auch nichts, man kann den Film nur rand und haltlos erzählen. Ich finde auch wenn der Film ein Kunstwerk ist, die Schauspieler gut sind, die Cousine ne süße Schnecke ist, die Story eigentlich viele Ansätze hat, das ganze ist einfach stinkfad.

40 von 100Mehr anzeigen


Mehr Filmkritiken

Monsieur Claude 2

After Passion

Wunder Park

Dumbo