Johanna von Orléans Frankreich 1999 – 148min.

Filmkritik

Schlachtplatte à la Besson

Sven Schwyn
Filmkritik: Sven Schwyn

Alle paar Jahre fuchtelt Jeanne d'Arc mit Schwert und wütenden Funkelfeueraugen über die Leinwände, jetzt ist es wieder einmal soweit. Unter der Regie des Franzosen Luc Besson darf sich das fünfte Element Milla Jovovich so richtig austoben, mehr als irgend eine Jeanne zuvor, vielleicht sogar mehr als die Echte. Ein Schlachtfeld.

Dabei beginnt alles dermassen friedlich: Die junge Jeanne (Jane Valentine) hüpft heidi-like durch blütenschwangere Wiesen, Vögel zwitschern von den Bäumen, die Sonne strahlt. Die Welt und der himmlische Frieden scheinen in wunderbarer Ordnung, da fällt der Blick der 8-jährigen auf ein im Gras liegendes Schwert. Ein Zeichen von oben?

Luc Besson ist kein Geschichtslehrer und sein Film keine Geschichtsstunde. So überrascht es allenfalls Historiker, die für einmal über ihren Buchdeckelrand hinaus schauen, dass sich der Filmemacher auf der nach oben offenen Actionskala für Windstärke 10 entschieden hat, leicht zu erkennen an herumfliegenden Körperteilen, donnerndem Kriegsgeschrei und Blutlachen. Wenn Jeanne d'Arc mit ihren Mitstreitern gegen die Engländer Sturm läuft, plaziert Besson die Kamera in die Mitte des Gemetzels, serviert eine cinematographische Schlachtplatte, die nicht allen im Saal munden dürfte. Mittelalter live und aus nächster Nähe; behaupten Sie danach nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.

Die Legende selbst ist bekannt, umstritten und schnell erzählt: Jeanne sieht in den im Gras herumliegenden Schwertern Zeichen des Herrn und wird - geprägt von Visionen und traumatischen Erlebnissen - zur fanatischen Anführerin der gegen die englische Besatzung revoltierenden Franzosen. Sie gewinnt Schlachten und befreit Städte, bis sie in den Augen des Adels ihren Daseinszweck erfüllt hat und als Hexe verschrien zur artgerechten Entsorgung ans Messer geliefert wird, anno domini 1431.

Eine Frage erhitzt seit jeher die Gemüter: War jene Jeanne d'Arc eine von Gott gesandte und von den Weltlichen missbrauchte Heldin oder aber eine von Irrsinn und Grössenwahn getriebene religiöse Spinnerin, die nur mit viel Glück überhaupt so lange überlebt hat? Luc Bessons Antwort tendiert zu Letzterem. In einer Sternminute des Films lässt er Alternativen zu Jeanne d'Arcs Interpretation des "von Gott gesandten Schwertes" auffahren, bei denen man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen kann.

Milla Jovovich ist als Jeanne d'Arc offensichtlich in ihrem Element. Als solches spielte sie schon die selbstbewusste Weltenretterin in Bessons letztem Film Le cinquième élement, eine der Parallelen zwischen den beiden Filmen. Die grossen Namen John Malkovich, Faye Dunaway und Dustin Hoffman machen ihre Arbeit, der Film wäre allerdings auch ohne sie ausgekommen. Sie sehen neben dem vielen Blut fast ein Bisschen blass aus.

01.06.2021

3

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Kommentare

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movie world filip

vor 12 Jahren

starke besson... vor allem starke visuelle leistung, gute regie, an script fehlte leider etwas


claudesartre

vor 19 Jahren

So ein Schwachsinn, dieser Film. Ich verstehe immerhin den Besson, dass er sch während den Dreharbeiten von der nervenauftribenden Mila scheiden liess...


mjnehls

vor 20 Jahren

Die beste Verfilmung dieses Themas, die bisher überhaupt zu sehen war!!!


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