Kritik28. Februar 2018

«Red Sparrow»: Jennifer Lawrence ist zum Spionieren verdammt

«Red Sparrow»: Jennifer Lawrence ist zum Spionieren verdammt
© 20th Century Fox Switzerland

Nach ihrem schauspielerischen Parforceritt in Darren Aronofskys Schocker «Mother!» muss Jennifer Lawrence erneut an ihre Grenzen gehen. In der Romanadaption «Red Sparrow» verkörpert der «Tribute von Panem»-Star eine Primaballerina, die nach ihrem Karriereende vom russischen Geheimdienst rekrutiert wird.

Filmkritik von Christopher Diekhaus

Die ehrgeizige Ballettkünstlerin Dominika Egorova (Jennifer Lawrence) ist eine feste Größe am berühmten Bolschoi-Theater, erlebt eines Tages allerdings den Super-GAU. Ihr Tanzpartner springt ihr kurz vor Ende eines Auftritts auf das Bein und verletzt sie so schwer, dass sie ihre Bühnenlaufbahn beenden muss. Was wie ein schrecklicher Unfall aussieht, entpuppt sich als gezielte Attacke, mit der die im Rampenlicht stehende Dominika in die Schranken gewiesen werden soll. Ihr Onkel Vanya (Matthias Schoenaerts), der Vizedirektor des russischen Auslandsgeheimdienstes, tritt daraufhin mit einem pikanten Angebot an seine Nichte heran und zwingt sie nur wenig später, am berüchtigten Sparrow-Programm teilzunehmen. Einer knallharten Agentenausbildung, bei der junge Rekruten auch die Kunst der Verführung erlernen. Nach dem Ende des entwürdigenden Trainings erhält Dominika den Auftrag, den bis vor kurzem in Moskau stationierten CIA-Agenten Nate Nash (Joel Edgerton) zu umgarnen und ihm den Namen eines russischen Maulwurfs zu entlocken.

Das Ganze ist ein düsteres, dreckiges Geschäft, in dem es nur selten Kompromisse gibt. – Cineman-Kritiker Christopher Diekhaus

Was schon im Anfangsdrittel auffällt, ist die erstaunlich harte Gangart, die Regisseur Francis Lawrence («Die Tribute von Panem – Catching Fire», «Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1», «Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2») bei der Verfilmung des Spionageromans von Jason Matthews anschlägt. Während in Agentenabenteuern auf der Leinwand körperliche Auseinandersetzungen und Morde häufig verharmlost dargestellt werden, wendet «Red Sparrow» den Blick nicht ab, wenn es ordentlich zur Sache geht. Brutale Foltermethoden und blutige Grausamkeiten sind mehrfach zu sehen und rauben dem geheimdienstlichen Treiben jegliche glamouröse Anmutung. Das Ganze ist ein düsteres, dreckiges Geschäft, in dem es nur selten Kompromisse gibt.

© 20th Century Fox Switzerland

Obwohl die mit diversen Wendungen versehene Handlung keinen großen Leerlauf entstehen lässt und einige verstörend-packende Passagen zu bieten hat, wird man das Gefühl nicht los, dass dem Plot manchmal die nötige Raffinesse abgeht. Hier und da mutet die Geschichte etwas schematisch und uninspiriert an. Und auch das Abtasten zwischen Dominika und Nate hätte trotz einer charismatisch-energiegeladenen Darbietung der Hauptdarstellerin ein wenig doppelbödiger ausfallen können. Unter den prominenten Schauspielern sticht neben Lawrence auch Altstar Charlotte Rampling hervor, die als rücksichtslose Ausbilderin für ein unangenehmes Frösteln sorgt. Diskussionswürdig ist die arg einseitige Zeichnung des russischen Geheimdienstapparates, der im Gegensatz zur CIA als durch und durch barbarische, menschenverachtende Maschinerie skizziert wird.


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