Kritik2. September 2019

Netflix-Serie «The Dark Crystal: Age of Resistance»: Puppen-Nostalgie trifft auf packende Fantasy

Netflix-Serie «The Dark Crystal: Age of Resistance»: Puppen-Nostalgie trifft auf packende Fantasy
© Netflix

Knapp 40 Jahre nach Jim Hensons ursprünglichem Film gibt es mit der neuen Serie endlich das langerwartete Prequel, das aufzeigt, wie es zum Ende einer Ära kam. Aufwendig umgesetzt, übertrifft die Serie die Kunstfertigkeit des Films sogar noch: Der Look der Puppen-Animation ist einzigartig und ausgesprochen charmant.

Serien-Kritik von Peter Osteried

Die Skekse herrschen über die Welt Thra. Sie sollten eigentlich die Hüter des Kristalls der Wahrheit sein, haben ihn jedoch korrumpiert, um ihr eigenes Leben zu verlängern. Als der Kristall dies nicht mehr ermöglicht, suchen die Skekse nach einem anderen Weg, ewig zu leben: Indem sie die Essenz der Gelflinge stehlen. Als ein Gelfling davon erfährt, muss er aus der Festung fliehen, doch seine Mission, die anderen Gelflinge von den ruchlosen Plänen der falschen Götter zu überzeugen, ist alles andere als einfach. Mit dem schwierigen Unterfangen beginnt auch die Ära des Widerstands.

Es ist erstaunlich, wie dynamisch, energiegeladen und lebendig diese Serie ist.– Cineman-Kritiker Peter Osteried

Die bekannten Elemente des Films sind vorhanden, die Figuren und ihre Designs – erschaffen von Bill Froud – stehen ganz und gar in der Tradition des Klassikers, sind aber auch konsequent weitergedacht, weil die Welt des Films eines sterbende war, jene in der Serie hingegen das Ende einer blühenden Ära darstellt. Das ist mit ausgesprochen viel Stil und Atmosphäre gestaltet.

Die tricktechnische Leistung der Serie ist überragend und zeigt, wie weit der Puppentrick in knapp 40 Jahren gekommen ist. Das zeigt sich auch und gerade bei den aufwendigen Action-Szenen, bei denen die physikalischen Möglichkeiten der Puppen-Animation zwar Grenzen setzen – diese werden aber immer und immer wieder neu ausgelotet. Es ist erstaunlich, wie dynamisch, energiegeladen und lebendig diese Serie ist.

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Die Designs sind vielschichtiger und die Bewegungen flüssiger und realistischer, haben aber immer noch den Charme vergangener Zeiten, zumal manche Figuren wie die Podlinge in ihrer Bewegung nicht sehr viel anders als die Muppets oder die Fraggles sind. Die Entscheidung, auf klassische Puppen-Animation zu setzen und den Computer nur einzusetzen, um Animatoren vor Green Screens und ähnliches zu entfernen, erweist sich als goldrichtig. Diese Serie ist genau das, was man sich seit dem Originalfilm gewünscht hat!

Man kann sich als Zuschauer fast nicht sattsehen.– Cineman-Kritiker Peter Osteried

Die Sets sind ausladend und mit filigranen Details gestaltet. Die Welt dieser Serie ist eine, in der man sich als Zuschauer fast nicht sattsehen kann – und das, obwohl das Epos mehr als acht Stunden Laufzeit hat. Alle Folgen wurden von Louis Letterier inszeniert, was hilft, die Serie aus einem Guss daherkommen zu lassen. Man hat ohnehin weniger das Gefühl episodischer Unterhaltung als vielmehr das eines extrem langen Films.

Einen Wermutstropfen gibt es dabei aber schon: Wie so oft bei Netflix-Produktionen dauert es etwas, bis die Geschichte richtig in Fahrt kommt. Erst zur Hälfte hin erreicht die dramatische Geschichte einen ersten Höhepunkt, als die verschiedenen Parteien Position beziehen und ein Krieg unausweichlich ist.

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Hier treffen Glaube auf Aberglaube, Machtanspruch auf Freiheitswunsch, das Schmieden von Allianzen auf alte Machtstrukturen, und ein Genozid auf die Revolution. Sicherlich, das mag noch nicht «Game of Thrones» sein, die reichhaltige Welt mit ihren unterschiedlichen Spezies und Fraktionen hat jedoch alles, was für einen grossen Konflikt, in dem es um nichts weniger als das Überleben geht, vonnöten ist.

Die Serie ist düsterer als der Film, opfert dabei aber niemals ihren allumfassenden Anspruch: Packende Fantasy für die ganze Familie zu erschaffen, bei der die Dramatik sowohl in Hinblick auf die Figuren als auch die Geschichte von immenser Wirkungsweise ist. Am Erstaunlichsten von allem ist aber, dass eine Serie wie «The Dark Crystal: Age of Resistance» (auf deutsch: «Der dunkle Kristall: Ära des Widerstands») heutzutage überhaupt noch produziert wird.

4 von 5 ★

Die erste Staffel von «The Dark Crystal: Age of Resistance» ist ab sofort auf Netflix verfügbar.

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Kommentare 1

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Taz

vor 19 Tagen

Wunderbar! Absolut sehenswert! Optisch herausragend!


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