Critique23. Februar 2023

Berlinale 2023: «Passages»: Eine Dreiecksbeziehung unter dem Himmel von Paris

Berlinale 2023: «Passages»: Eine Dreiecksbeziehung unter dem Himmel von Paris
© SBS Productions

Ira Sachs ist ein Stammgast der Berlinale. Sieben Jahre nach seinem Spielfilm «Brooklyn Village» ist er mit «Passages» in der Panorama-Auswahl wieder auf dem roten Teppich zu sehen.

«Passages»: Eine Dreiecksbeziehung unter dem Himmel von Paris

Ira Sachs | 91 Min.

Ein Text von Maxime Maynard

Thomas (Franz Rogowski) und Martin (Ben Whishaw) sind seit vielen Jahren ein Paar und leben in ihrer Pariser Wohnung. Als ihre Beziehung zu bröckeln beginnt, flüchtet sich Thomas in die Arme von Agathe (Adèle Exarchopoulos), einer jungen Lehrerin.

Nach «Keep the Lights on» (2012) und «Love is strange» (2014) arbeitet Ira Sachs ein fünftes Mal mit dem brasilianischen Drehbuchautor Mauricio Zacharia zusammen. Gemeinsam liefern sie einen bewundernswert inszenierten Spielfilm über die Komplexität von Beziehungen und Gefühlen. Fasziniert folgen wir Thomas und beobachten, wie er zwischen zwei Beziehungen pendelt und von den Turbulenzen seiner Gefühle mitgerissen wird.

Die Figur und ihre Entscheidungen, die von einer offensichtlichen Selbstverliebtheit und Narzissmus bestimmt werden, sind zunächst ärgerlich. Doch der deutsche Schauspieler Franz Rogowski hypnotisiert bei jedem seiner Auftritte und trotz unserer Irritation beginnen wir nach und nach, uns in diesem Mann, seinem Zögern und seinem Bedürfnis nach Liebe wiederzuerkennen. Der Engländer Ben Whishaw und die Französin Adèle Exarchopoulos vervollständigen das Trio und brillieren in den Rollen von Martin und Agathe.

Das Schauspiel ist geprägt von Natürlichkeit, die durch Dialoge ohne oberflächliche Floskeln, aber immer realitätsnah, unterstrichen wird. Und auch wenn die Sprache manchmal hinter der Vielzahl an Alltagsgeräuschen verloren geht, wird sie von einer wunderbar ausgeführten Körpersprache übertroffen. Denn ein Blick, eine kleine Geste sagt oft mehr als tausend Worte, und das weiss Ira Sachs ganz genau.

Die zahlreichen sexuellen Momente sind weit davon entfernt, zu einfachem Voyeurismus zu werden, sondern spielen mit der spürbaren Verbindung ihrer Protagonisten, die manchmal entblösst, aber nie im Übermass ausgestellt werden. Die Figuren werden von der Kostümbildnerin Khadijia Zeggaï sorgfältig ausgestattet und die Kleidung trägt zu einer klaren und einprägsamen Darstellung der einzelnen Persönlichkeiten bei. So ist der «Passages» von Anfang bis Ende faszinierend und überwältigend, ein spannendes Beziehungsdrama.

4,5 von 5 ★

Eine Zusammenstellung aller Texte der 73. Berlinale findest du hier.

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