Kritik4. September 2020

Netflix-Serienkritik «Away»: Mit Hilary Swank zum Mars

Netflix-Serienkritik «Away»: Mit Hilary Swank zum Mars
© Netflix

Eine Pionierleistung vollbringen will in der Netflix-Produktion «Away» die von Oscar-Preisträgerin Hilary Swank angeführte internationale Astronautencrew, die bei ihrem Flug zum Roten Planeten allerlei Probleme – technischer und zwischenmenschlicher Natur – bewältigen muss.

Serienkritik von Christopher Diekhaus

Nicht nur die NASA und andere staatliche Raumfahrtbehörden arbeiten akribisch am Fernziel einer bemannten Marsmission. Auch private Unternehmen wie das von Elon Musk gegründete SpaceX wollen schnellstmöglich Menschen auf den Roten Planten schicken, den manche Visionäre als neuen Besiedlungsposten anpreisen.

In Film und Fernsehen sind Geschichten über das Ausgreifen ins Universum ohnehin schon lange sehr beliebt. Nicht zuletzt, weil sie, ein entsprechendes Budget vorausgesetzt, überwältigende Bilder liefern können, wie etwa das grüblerische Brad-Pitt-Vehikel «Ad Astra» aus dem Jahr 2019 demonstriert.

In der von Andrew Hinderaker kreierten und von einem «Esquire»-Artikel inspirierten Netflix-Serie «Away» wird der heiss ersehnte Flug zum Mars konkret in Angriff genommen. Nach einem Zwischenstopp auf dem Mond soll die unter dem Kommando von NASA-Astronautin Emma Green (Hilary Swank) stehende internationale Crew noch tiefer in den Weltraum vordringen, um schliesslich als erste Mannschaft überhaupt den staubigen Boden des Roten Planten zu betreten.

© Netflix

Die zehn Folgen umfassende Science-Fiction-Erzählung spielt jedoch keineswegs nur an Bord des Raumschiffes. Vielmehr springt die Handlung permanent zwischen dem Inneren des Flugkörpers und den mit den Raumfahrern verbundenen Menschen auf der Erde hin und her.

Obwohl es, wie Rückblicke verraten, schon immer Emmas Traum war, den Mars zu erreichen, hadert sie mit ihrer Entscheidung, da ihre Familie sie ausgerechnet jetzt am meisten bräuchte. Ihr Gatte Matt (Josh Charles), der ebenfalls für die NASA arbeitet, aufgrund einer seltenen Erkrankung aber nicht ins Weltall fliegen kann, erleidet nämlich einen Schlaganfall. Tochter Alexis (Talitha Bateman) bittet ihre Mutter daraufhin, die wahrscheinlich revolutionäre Expedition abzubrechen.

Trotz eines fesselnden Finales schafft es die Netflix-Produktion nicht, richtig durchzustarten.– Cineman-Filmkritiker Christopher Diekhaus

© Netflix

Zu Dramen dieser Art gesellen sich auch Spannungen unter den Crewmitgliedern, wobei ins Auge sticht, wie misstrauisch und abschätzig der erfahrene Russe Misha (Mark Ivanir) und die zielstrebige Chinesin Lu (Vivian Wu) ihrer Kommandantin von Anfang an begegnen. Auch wenn das Drehbuch Gründe für den Vertrauensmangel aufbietet, wirkt die feindselige Stimmung in den ersten Folgen arg forciert.

Die Mission an sich, ihr Zweck und die mit ihr verbundenen Erwartungen treten regelmässig hinter den Konflikten, den durchaus zahlreichen Schicksalsschlägen und den schrittweise offengelegten Vorgeschichten der Figuren zurück. Statt über die Zukunft der Menschheit nachzudenken und die genaue Bedeutung einer erfolgreichen Marsankunft zu erörtern, wird gelitten, geliebt und geweint.

«Away» zeigt zwar recht anschaulich, welche persönlichen Opfer Astronauten bringen müssen, wenn sie zu einem jahrelangen Abenteuer aufbrechen, und wie sie von den Behörden und ihren Heimatländern vereinnahmt werden. Den Charakter einer Seifenoper kann die Serie allerdings nie ganz abstreifen.

Obwohl es einige spannende, majestätisch gefilmte Noteinsätze ausserhalb des Raumschiffs gibt und gerade das Finale zu fesseln weiss, schafft es die Netflix-Produktion nicht, richtig durchzustarten. Ein Grund dafür ist sicher auch die leider etwas eintönig bleibende Hauptfigur, die – so hört man wiederholt – die Beste ihres Fachs sei. Während der Reise ringt Emma aber zumeist mit ihren Zweifeln und ihren familiären Sorgen und steuert in misslichen Lagen nur selten Lösungsansätze bei. Gerade weil es wenige Science-Fiction-Geschichten gibt, in denen Frauen eine Führungsrolle innehaben, wäre eine kraftvollere Charakterzeichnung schön gewesen.

3 von 5 ★

Die erste Staffel von «Away» ist ab sofort auf Netflix verfügbar.

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Kommentare 3

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jomipe

vor einem Tag

Ist ok, dass bei dieser Serie die Akteure im Vordergrund stehen und nicht nur die Mission. Auch die Bilder sind toll. Aber die ewig gedämpfte und depressive Stimmung sowie die rührseligen Dialoge gehen einem irgendwann auf die Nerven. Die ganze Handlung auf drei bis vier Folgen konzentriert hätte genügt. Wer immer mal vorspult und Sequenzen überspringt verpasst eigentlich nichts. Schade, dass Emma immer so depressiv und zweifelnd rüberkommt.Mehr anzeigen


Sakrettin

vor 17 Tagen

Hallo? Ohne Latenzzeiten mit dem Handy zu kommunizieren? In der 3, Folge Viren. Psychisch instabile Besatzung? Was ist das für ein Sci-Fi?


Sporrdig

vor 24 Tagen

Die Serie ist sehr emotional und ich musste mehrmals weinen.


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