Kritik13. Oktober 2017

«Borg/McEnroe» in der Videokritik: Ein Blick hinter die Kulissen

«Borg/McEnroe» in der Videokritik: Ein Blick hinter die Kulissen

Wer damals schon gelebt hat, hat sie sicherlich mitbekommen: Die Rivalität zwischen dem Schweden und kühlen Gentleman Björn Borg und dem Amerikaner und energischen Hitzkopf John McEnroe. Genau dieses Duell wird nun in Borg/McEnroe zum Thema gemacht: Der Film interessiert sich aber nicht nur für die sportlichen Ergebnisse, sondern auch für einen Blick hinter die Kulissen der beiden Superstars.

Man kam damals wohl kaum um die beiden Überflieger im Tennis herum: Björn Borg und John McEnroe waren in den 70er- bis in die 80er-Jahre hinein die Tennisstars schlechthin. Borg McEnroe fokussiert sich auf die zwei Persönlichkeiten und das Duell, das Tennisgeschichte geschrieben hat: Das Finale von Wimbledon im Jahr 1980. Bevor das Biopic aber zum grossen Showdown kommt, wird in Flashbacks erzählt, wie der kontrollierte Borg (Sverrir Gudnason) und der aufbrausende McEnroe (Shia LaBoeuf) überhaupt so weit gekommen sind und was sie zu den Persönlichkeiten gemacht hat, für die sie berühmt geworden sind.

Der schwedische Regisseur Janus Metz hat sich entschieden, auf zu viel Dramatisierung und Effekthascherei – wie sonst oft in Sportfilmen zu sehen – zu verzichten, und die Geschichte der zwei Tennisstars ganz unaufgeregt und fast schon trocken darzulegen. Der Fokus liegt dabei weniger auf dem Sport, sondern vielmehr auf den Menschen, die dahinterstehen: Die authentische Darstellung der Ereignisse damals hat schon fast einen dokumentarischen Charakter, was wohl auch daherrührt, dass Metz ursprünglich aus diesem Genre kommt. Trotz der Unaufgeregtheit, mit dem das Biopic daherkommt, sind die eingefangenen Bilder ästhetisch ansprechend, ohne romantisierend zu wirken: Die zwei Tennisprofis werden weder zu Helden hochgeschaukelt, noch in einem schlechten Licht dargestellt.

Ganz im Gegenteil: Wenn der Film auf seinen Showdown zuspielt, nämlich das Finale von Wimbledon, fiebert man mit beiden Spielern mit – wahrscheinlich auch, weil Metz darauf bedacht ist, die Hintergründe der Werdegänge der zwei genau darzulegen und sie so zu zeigen, wie man es zunächst nicht erwarten würde. So ist einem McEnroe trotz seiner Ausraster plötzlich sympathisch und Borg wirkt mit seinen scheinbar unterdrückten Gefühlen und seiner Angst vor den Medien menschlich und nahbar. Damit wird das Finale, sogar wenn man den Ausgang des Spiels von damals kennt, zum spannenden Tennis-Thriller und Borg/McEnroe damit zu einem erfrischenden und sehenswerten Film, der auch Sportmuffel für sich begeistern kann.

Borg/McEnroe läuft ab dem 12. Oktober in den Schweizer Kinos.


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