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Filmkritik

Vier Folteropfer ziehen Bilanz

Hans Haldimann konnte vier Folteropfer dazu bewegen, ihm Rede und Antwort zu stehen. Neue Erkenntnisse gewinnt er für das mit der Materie vertraute Publikum dabei nicht, aber er gibt diesen schrecklichen Schicksalen ein Gesicht und liefert so nebenbei ein sympathisches Plädoyer für ein Asylwesen, das sich der tatsächlich Hilfsbedürftigen annimmt.

Folter im Film eignet sich perfekt, um das Publikum zu fesseln. Wenige Bilder und Töne genügen, markerschütternde Schreie, verzerrte Gesichter - kaum jemand kann sich dieser Wirkung entziehen. Hans Haldimann geht in seinem Dokumentarfilm über vier Folteropfer, die den Qualen entrannen und die es in die Schweiz verschlug, einen ganz anderen Weg, indem er allein auf die Worte der Opfer setzt.

Diese naheliegende Lösung birgt allerdings das Risiko, die Erzählenden erneut zu traumatisieren und so genau das zu bewirken, was Folterer unter anderem bezwecken: Die Gefolterten sollen ein Leben lang über die rein körperlichen Schäden hinaus leiden. Der Körper vergisst die Folter nämlich nie. Deshalb liegt allein in der Tatsache, dass es Haldimann gelang, für sein mit dem Schweizer Fernsehen produziertes Werk vier ehemalige Folterhäftlinge aufzuspüren, die bereit waren, über ihr Leben und Leiden zu sprechen, ein nicht zu unterschätzender Wert.

Kritik an der anspruchslosen visuellen und dramaturgischen Gestaltung fällt angesichts des schrecklichen Inhalts nicht ins Gewicht. Vielleicht sollte man sich den Film besser auf DVD anschauen, weil man da auch mal die Stop-Taste drücken kann; denn Jorge Molina aus Chile, Ali Biçer aus der Türkei, Rose Nzayamo aus dem ehmaligen Zaire und Phuntsog Nyidron aus Tibet haben sonst wenig gemeinsam, und die Möglichkeit, eine Pause einzulegen, wenn einen das Erfahrene gar zu sehr bedrückt, wäre sicher ein Vorteil.

Die Erzählungen werden teils mit Bildern vom jeweiligen Leben in der Schweiz, teils mit Bildern von den Herkunftsländern aufgelockert. Dass die vier Geschichten nicht linear erzählt werden, sondern willkürlich von einer zur anderen gesprungen wird, mag eine Konzession ans zapp-freudige Fernsehpublikum sein, es hilft allerdings nicht dabei, sich in eines der Schicksale zu vertiefen. Trotzdem beeindrucken die vier Schilderungen des erlebten Grauens, denn die stärksten Bilder entstehen bekanntlich im Kopf: Wer starke Nerven hat und Ohnmacht erträgt, soll sich diesen bewegenden Film nicht entgehen lassen.

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