Bamboozled - Filmkritik
| Aka Titel: | It's Showtime |
| Land (Jahr): | USA (2000) |
| Genre: | Comedy, Drama |
| Filmlänge: | 135min |
| Regie: | Spike Lee |
| Kinostart: | 30.08.2001 |
| Drehbuch: | Spike Lee |
| Kamera: | Ellen Kuras |
Dunkelschwarze Fernsehsatire
Der «Summer of Sam» ist noch nicht vorbei, und schon sorgt Regisseur Spike Lee für filmischen Nachschlag. Mit «Bamboozled» findet er gewohnt sozialkritische Töne und nimmt den alltäglichen Rassismus im amerikanischen Fernsehen aufs Korn. Seine spitze Satire behält stets ein lachendes und ein weinendes Auge, trägt aber bis zum Schluss die Moral etwas dick auf.
Pierre Delacroix (Damon Wayans) arbeitet als einziger schwarzer Fernsehautor bei einem TV-Sender, dessen Einschaltquoten im Sturzflug begriffen sind. Sein Boss Dunwitty (Michael Rapaport), dessen Name wohl nicht zufällig wie eine Kombination aus dumm und witzig tönt, macht ihm klar, dass er schleunigst mit kreativen Ideen für eine neue Show aufwarten sollte, da ansonsten seine Karriere mit dem Sender im Hades versinken werde. Und Dunwitty fordert etwas Originelles, denn sämtliche Geschichten von mittelständischen Schwarzen, die es in einer von Weissen dominierten Umwelt zu etwas bringen, sind ihm zu fade
Delacroix beschliesst, seinem grossmäuligen Boss mit einem radikalen Konzept den Mund zu stopfen: Er verstösst gegen jegliche politische Korrektheit und entwirft eine Neuauflage der Minstrel-Shows. In dieser Urform amerikanischer Bühnen- und Fernsehunterhaltung, die am Ende des 19. Jahrhunderts entstand, verkörperten weisse Darsteller mit schwarz gefärbten Gesichtern Afroamerikaner. Die klischierten Figuren waren dumm, nichtsnutzig und faul. Der trotzige Delacroix schlägt Dunwitty jegliche Form rassistischen Humors für seine Sendung vor, in der Meinung, dafür gefeuert zu werden. Doch Dunwitty sagt schenkelklopfend zu.
Mit dem obdachlosen Stepptänzer Manray (Savion Glover) und seinem Kumpel Womack sind die afroamerikanischen Stars gefunden, die künftig als «Mantan» und «Sleep'n Eat» im inszenierten Melonenbeet einer Baumwollplantage mit zusätzlich geschwärzten Gesichtern ihre Spässe zum besten geben. Wider erwarten schlägt die Show alle Publikumsrekorde. Doch Delacroix' Assistentin Sloan (Jada Pinkett-Smith) und ihr militanter Bruder Julius (Mos Def) können den Spass an der «New Millenium Minstrel Show» nicht teilen, und schliesslich wird Delacroix die Geister die er rief, nicht mehr los.
Spike Lee produziert in «Bamboozled» keine Helden. Seine Figuren haben ihren Charme und ihre Schwächen: Harvardabsolvent Pierre Delacroix spricht so gestelzt und betont distinguiert, dass man ihn nicht ernst nehmen kann. Der Bruder seiner Assistentin gibt vor, ein Untergrundkämpfer gegen die Unterdrückung der Schwarzen zu sein, doch im Untergrund wird vorwiegend geschimpft und gezetert statt gehandelt. Manray schliesslich lässt sich vom schnellen Geld und Erfolg blenden und merkt nicht, dass er seine Seele verkauft. Lee schafft es gekonnt, eine Geschichte aufzutischen, die einem zum lachen bringt, bis das Lachen im Hals stecken bleibt - genau der Effekt, den Delacroix mit seiner Fernsehshow zu erzielen versucht. Im Film geraten die Dinge jedoch ausser Kontrolle, als das Lachen der Lächerlichkeit weicht. Um Letzteres in seinem eigenen Werk zu vermeiden, muss Lee seine Moral deutlich machen. Bis zum Schluss trägt er diese aber mit dem Holzhammer vor, auch wenn die Botschaft schon längst angekommen ist. [Bruno Amstutz]
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movie world filip: interessante kleinere film von spike lee - recht o... |

