Als noch recht unerfahrener Anwalt Kipp wird er Anfang des 20. Jahrhunderts von seiner Londoner Kanzlei aufs Land geschickt, um in der Einöde den Nachlass einer kürzlich verschiedenen Klientin zu regeln. Dass er selbst den Verlust seiner Frau, die einige Jahre zuvor bei der Geburt des gemeinsamen Sohnes starb, noch nicht verwunden hat, ist ein Faktor, der ihm den Auftrag zur Qual macht.
Noch irritierender ist allerdings, dass er bei den sich größtenteils sehr rätselhaft verhaltenden Einheimischen (u.a. Ciarán Hinds und die kürzlich Oscar-nominierte Janet McTeer) alles andere als willkommen zu sein scheint. Ach, und dann ist da natürlich noch das Titel gebende Gespenst jener Frau in Schwarz, das das heruntergekommene Anwesen im Marschland heimsucht, in dem Kipp seinem Job nachgehen muss.
Man muss sich ohne Frage erst einmal daran gewöhnen, dass das gerade einmal 22 Jahre alte Bürschchen, das bis eben noch gegen Lord Voldemort kämpfte, nun den verwitweten Vater eines Vierjährigen spielt. Aber darstellerisch schlägt sich Radcliffe in seinem ersten Film nach dem Ende der Harry Potter-Saga absolut überzeugend. Abgesehen von dieser Besetzung hält Regisseur James Watkins in seiner Verfilmung des Romans von Susan Hill relativ wenig Überraschungen oder Innovationen bereit.
The Woman in Black ist eine Produktion der wieder belebten, legendären Hammer-Studios, und hält sich relativ treu an einstige Erfolgsmuster. Die Türen knarzen atmosphärisch, die Dorfbewohner blicken finster drein und hin und wieder gibt's ein paar richtig gute Schreckmomente. Das hat mit dem blutigen Horror, wie man ihn heutzutage gewöhnt ist, nicht allzu viel zu tun. Doch angenehm altmodisch und trotzdem effektiv – das schließt sich bei diesem in sich runden, zum Genre der spukenden Häuser und verfluchten Kinder gehörenden Gruselfilm nicht aus.