Beim ersten Augenschein fallen sie auf, die Brüder Andreas «Andi» und Thomas Wicki. Beide leiden am sogenannten Down-Syndrom. Sie wachsen im Schosse der Familie mit viel Zuwendung und Liebe auf. Ihre Mutter Maria umsorgt sie bis heute. Markus Wicki, der mittlere Sohn, verliess sein Zuhause und kehrte dann doch nach Oberkirch zurück, wo sein Grossvater 1924 den «Hirschen» ersteigert hatte. 1997 übernahm er den Gasthof – und seine Brüder.
Es war ein schwieriger Prozess, Thomas und Andreas in den Betrieb zu integrieren. Davon ist im Dokumentarfilm von Silvia Häselbarth zwar nichts zu sehen, aber dennoch zu spüren, wenn Markus erzählt, wie er Andreas irgendwie begreiflich machen musste , dass er mit der zweiten Rolle hinter dem Ältesten, Thomas, zurecht kommen musste. «Aus Vernunft und Herz» hatte sich Markus entschieden, seine «behinderten» Brüder im Arbeitsprozess zu integrieren. Und so übernehmen sie Hilfsdienste, entsorgen Kartons, kaufen beim Bäcker ein, rüsten Gemüse und zeigen sich im Restaurant. Sie gehören dazu, man kennt sie im «Hirschen». Natürlich ecken sie an, haben ihren Eigensinn, sie brauchen Verständnis und Zuneigung. Und die bekommen sie nicht nur von der Familie, sondern auch von den Kollegen in der Küche, im Gasthaus.
Das ist anspruchsvoll und belastend für alle Beteiligten. «Manchmal komme ich an meine Grenzen», gesteht Patron Markus. Doch die Liebe, die er gibt, bekommt er auch zurück. Das verdeutlicht eine Szene, in der ihn Thomas abküsst wie einen Schutzengel. Das sehr persönliche Porträt berührt, ist ein inniges und ehrliches Dokument von Bruderliebe und Menschlichkeit, das in Matinées oder im Fernsehen sehr gut aufgehoben wäre. Es ist unspektakulär und beherzt.
Silvia Häselbarth hat sich engagiert auf ihre Protagonisten eingelassen, ihr Vertrauen gewonnen und fängt sehr unverfälscht ein Stück normale Realität mit «nicht ganz Normalen» ein. Im Grunde genommen ist ihr Film ein Plädoyer für Mit-Menschlichkeit und Integrität. Oder wie Markus Wicki es formuliert: "Ich wünsche mir, dass Behinderte einen Platz in der Gesellschaft finden und nicht ausgegrenzt werden. Aktive Integration ist möglich.» Er macht und lebt es vor.
sehr schön!