UFO in Her Eyes
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Filmkritik

Geldraffer im Zeitraffer

Am Rande im Reich der Mitte: ein Dorf, ein unscharfes UFO, das vom Medienereignis zum Wirtschaftsfaktor mutiert, und eine 40-Jährige, der die Welt um die Ohren fliegt. Die 1973 in einem südchinesischen Fischerdorf geborene, in Peking zur Filmwissenschaftlerin augebildete und seit 2002 in London lebende Xiaolu Guo zeigt in ihrer Gesellschafts- und Mediensatire, wie der Kapitalismus den Kommunismus wegfegt und kein Stein auf dem andern lässt. Der visuell gelungenen Umsetzung ihres eigenen Romans stehen einige unerklärliche Mängel im Weg.

Europa hat sie unter hohen Opfern hinter sich gebracht, dem fischerdörflichen China steht sie noch bevor: die industrielle, kapitalistische Revolution. Doch was bei uns Generationen dauerte, benötigt heutzutage dort nur wenige Monate, glaubt man Xiaolu Guo, die ihren eigenen Roman mit Hilfe einer britischen Kollegin zu einem Drehbuch umarbeitete und dann verfilmte.

Den Stein ins Rollen bringt die unfreiwillig ledige Shi Ke, die nach einem Schäferstündchen durch einen Kristall in die Sonne blickt und dabei etwas sieht, das sie nicht erklären kann. Also erzählt sie es brav der Gemeindesekretärin, die es unbeeindruckt an die übergeordnete Stelle melden lässt. Wie beim Flüsterspiel wird die Information von Station zu Station verändert, die Bedeutung dieser Lappalie wächst lawinenartig an, und als noch ein Medienunternehmen davon Wind bekommt, ist die Sensation geboren. Ein Reporter wird in die Provinz geschickt, der widerwillig Leute befragt. Seine steckbriefartigen Schwarz-Weiß-Porträts sind immer wieder zu sehen, er selbst dagegen nicht, dafür erblicken wir einen Teil der Szenen mit seinen Augen. Die kommunistischen Funktionäre vor Ort und Unternehmer von außen wittern das große Geschäft, die fundamentale Umgestaltung nimmt ihren Lauf, das Dorf muss für Touristenmassen tauglich, dem UFO muss gehuldigt werden.

Die wunderbaren Bilder werden durch perfekt besetzte Rollen der chinesischen SchauspielerInnen komplementiert, und die Hauptdarstellerin ist nicht nur eine wahre Pracht sondern auch eine bare Wucht. Ein schrecklicher Missgriff ist allerdings Udo Kier als US-Amerikaner, dessen penetranter, deutscher Akzent noch als sarkastische Fußnote zu verzeihen wäre, wenn er akzeptabel spielen würde. Das ist umso ärgerlicher, als seine Figur mehr als flüssig ist. Doch ist dies Symptom eines grundsätzlichen Problems: Die Kompression des Romans auf zwei Stunden Film ist nicht ohne Risse in Handlung und Logik gelungen. Warum Trigon diesen in Bildsprache und Dramaturgie durch und durch westlichen Film verleiht, bleibt aber unklar.

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