Ex-Geheimagent George Smiley (Gary Oldman) wird 1973 aus dem Ruhestand zurückgeholt, um einen Maulwurf in den eigenen Reihen auszumachen, der für die russischen Widersacher vom KGB zu arbeiten scheint. Bereits der ehemalige MI6-Chef Control (John Hurt) war dem Verräter auf der Spur; nun ist er tot, viele enge Mitarbeiter sind längst aus dem Dienst entfernt. Die Hinweise, aus denen Smiley und sein Assistent (Benedict Cumberbatch) ihre Schlüsse ziehen müssen, sind spärlich, doch sie führen direkt ins innerste Machtzentrum des Secret Service. Als Doppelagent kommen eigentlich nur Bill Haydon (Colin Firth), Percy Alleline (Tobey Jones) oder Roy Bland (Ciarán Hinds) in Frage.
Für die größeren Zusammenhänge des Kalten Krieges interessiert sich Tomas Alfredson (Let the Right One In) nur ganz am Rande. Auch woran der vermeintliche Maulwurf mit dem russischen Gegenspieler arbeitet, was genau die Pläne und Motive der einzelnen Schachfiguren in diesem großen Spionage-Spiel sind, bleibt eher vage und unergründlich. Das ist natürlich kein Zufall, sondern Konzept: Gerade weil man nie genau weiß, worum es eigentlich geht, entfaltet Tinker, Tailor, Soldier, Spy einen Großteil seiner rätselhaften Wirkung, die durch Rückblenden und Parallelerzählungen noch verstärkt wird.
Weil eine echte Bedrohung selten greifbar wird, liegt der Fokus vielmehr auf der Kleinteiligkeit und Banalität der Geheimdienstbürokratie. Das wird auch auf visueller Ebene deutlich; etwa dann, wenn die Kamera über lange Sekunden dem Weg einer Akte aus den Archiven durch das ganze Gebäude und mehrere Hände bis an ihren Bestimmungsort folgt. Überhaupt übt die unglaublich sorgfältige Präzision, mit der hier bis ins kleinste Detail und in geradezu spröder Eleganz die 70er Jahre rekonstruiert werden, einen ganz eigenen Reiz aus. Ganz hervorragend passt sich auch das überzeugende Ensemble diesem Stil an, nicht zuletzt der vollkommen zurecht für den Oscar nominierte Gary Oldman als wohl unauffällig-grauster Spion in der Geschichte des Agenten-Kinos.
Nicht uninteressant ist dabei, wie der Film unter der Oberfläche die Geheimnisse seiner Protagonisten zu einer Abhandlung über Einsamkeit und Misstrauen sowie Scham, Schuld und Erniedrigung verwebt, in der nicht zuletzt auch die unterdrückte und verschwiegene Homosexualität einiger Agenten eine entscheidende Rolle spielt. Man muss allerdings sehr genau hinsehen und sehr genau zuhören, um das auch wirklich mitzubekommen - und sollte keinesfalls übermüdet im Kino sitzen.