Schweinwerfer tanzen durch die Nacht. Ein paar harmlose Fahrzeuge ruckeln über staubige Strassen. Die kleine Kolonne stoppt. Aus den Jeeps steigen Männer. Zwei Gefangene in Handschellen steigen aus und mit ihnen ihre «Häscher», die sie an den Tatort führen sollen. Täter wie Fahnder sind im Ungewissen. Und es wird eine lange Nacht werden, bis die Leiche entdeckt wird.
Eigentümlich: Je länger die Reise durch die Nacht und durch öde Berggebiete Anatoliens geht, desto mehr rücken Täter und Opfer in den Hintergrund. Die Ermittler, ihre Fälle, Lasten und Probleme werden zum Thema des Films. Da ist der Staatsanwalt Nusret (Taner Birsel), der Kommissar Naci (Yilmaz Erdogan) und der Arzt Cemal (Muhammet Uzuner), die sich mit tragischen «Hinterlassenschaften» herumschlagen. Man erfährt von einem Selbstmord, der Schatten auf das Leben eines Lebenden wirft, von einem kranker Sohn, von einer zerbrochenen Ehe. Die Morgendämmerung bringt Aufklärung, und doch bleiben Rätsel.
Regisseur Nuri Bilge Ceylan, 1959 in Istanbul geboren, gewann schon drei Preise in Cannes, mit Once Upon a Time in Anatolia holte er 2011 gar den grossen Preis der Jury. Mit dem elegischen Drama legt er keinen Western vor, wie der Titel suggerieren mag, sondern ein gesellschaftliches Psychodrama. Über den kriminellen Vordergrund hinaus entwirft das düstere Roadmovie ein hintergründiges Zeitbild - über Menschen zwischen Gestern und Heute. Ein Film mit langem Atem und grosser Nachhaltigkeit - wenn man bereit ist, sich auf diese Intensität einzulassen.