La petite chambre
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Filmkritik

Zusammen ist man weniger allein

Der Schweizer Film des Jahres 2010: Stéphanie Chuat und Véronique Reymond erzählen in ihrem berührenden Erstling von der Beziehung zwischen einem alten Mann, der sein Leben bis zum Ende ohne Bevormundung leben will. Und von einer jungen Frau, die ins Leben zurückfindet.

Zu Beginn sind die verschneiten Alpengipfel hoch über den Ufern des Genfersees von Wolken verdeckt. Das Ende des Winters ist nahe, als Jacques (Joel Delsaut) vor einem längeren Auslandaufenthalt seinen greisen Vater Edmond (Michel Bouquet) zur Besichtigung in ein Altersheim an den Hängen des Lavaux fährt. Doch Edmond denkt nicht daran, sich in das Absterbeasyl verfrachten zu lassen. Dem Sohn bleibt nichts anderes übrig, als den renitenten Vater in seine Wohnung zurückzufahren und ihn fortan von einer Krankenschwester (Florence Loiret Caille) betreuen zu lassen.

Rose soll täglich nach dem Rechten sehen, darauf achten, dass Edmond sich richtig ernährt und seine Insulinspritzen nicht vergisst. Doch auch jetzt fühlt sich der resolute alte Herr bevormundet. Er will in Ruhe gelassen werden, sich seinen Pflanzen widmen oder sich ungestört klassische Musik anhören. Und Edmond kann sich durchsetzen. Am Ende werden die Alpengipfel vor dem makellosen Blau eines strahlenden Vorfrühlingstages gestochen scharf zu sehen sein.

Gänzlich unaufdringlich erzählt La petite chambre von der Stellung alter Menschen, die in einer auf Anpassung und bedingungslosem Funktionieren beruhenden Gesellschaft ebenso wenig einen Platz haben wie jene Jüngeren, die den Leistungsanforderungen nicht genügen. Zu ihnen gehört Rose, denn sie verbirgt ein Geheimnis, dem Edmond bald auf die Spur kommt. Mit der behutsamen Annäherung zwischen zwei höchst unterschiedlichen Aussenseitern ist den beiden Newcomerinnen Stéphanie Chuat und Véronique Reymond so etwas wie ein hymnisches Plädoyer für die Verständigung und Freundschaft zwischen den Generationen gelungen.

Dabei brilliert der 85-jährige Franzose Michel Bouquet - einst durch Filme von Claude Chabrol und François Truffaut bekannt geworden - in einer Rolle, die er vor exakt 20 Jahren bereits einmal in ähnlicher Weise gespielt hatte: als rebellischer Altersheiminsasse in Jaco von Dormaels Geniestreich Toto, le héro. Auch damals haderte er in bisweilen tragikomischer Weise mit einem sich langsam dem Ende zu neigenden Leben. Und auf der anderen Seite steht ihm Florence Loiret Caille als so zerbrechliche wie entschlossene Rose in nichts nach. Lange her, seit man eine derart starke, jüngere Frauenfigur in einem Schweizer Film gesehen hat.

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4 Kommentare
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Patrick

Nachtrag: Sorry mein DVD Tip nach diesem Film ist nicht Robert & Frank sondern Robot&Frank.
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Patrick

Rührendes Arthouse-Movie, das durch die tollen Darsteller noch mehr zur Geltung kommt. Wem der Film gefallen hat sollte sich die DVD Robert & Frank (mit Frank Langella) reinziehen darin passt keine Pf...
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Anneli78 Super gespielt, herziger Film, mich hats irgendwie berührt!
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David

Zurecht den Schweizer Filmpreis bekommen. Guter Debutfilm.

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