1560 in eine der mächtigsten Adelsfamilien des Landes hineingeboren und standesgemäß verheiratet, wurde Erzsébet Báthory als Blutgräfin zur Legende; hunderten Jungfrauen soll sie im frühen 17. Jahrhundert das Leben gekostet haben. Statt einer Vampirin zeigt Delpy die historisch verbürgte Titelfigur allerdings als eine selbstbewusste Frau, die sich in einer von Männern dominierten Welt durchsetzen muss. Große Emotionalität ist nicht ihr Ding, und nicht erst als ihr Mann im Krieg gegen die Osmanen fällt, konzentriert sie sich mehr auf die Aufgaben als kühl kalkulierende Vermögens- und Gutsverwalterin denn auf die Pflichten als Mutter dreier Töchter.
Doch das Patriarchat legt der Monarchin jede Menge Steine in den Weg. Dem König ist sie ein Dorn in Auge, und als sie die Avancen des Grafen Thurzo (William Hurt) abweist, nur um sich dann in dessen Sohn Istvan (blaß: Daniel Brühl) zu verlieben, beginnt jener eine umfassende Intrige und verhindert das Glück von Erzsébet mit dem Jahre jüngeren Istvan. Aus ihrem gebrochenem Herzen entwickelt sich derweil ein Schönheits- und Jugendwahn, der sich zu monströser Raserei auswächst, als sie dem Glauben verfällt, das Blut jungfräulicher Mädchen würde ihren Körper von Alterungserscheinungen befreien.
Die thematische und atmosphärische Kehrtwende nach Delpys Überraschungshit «2 Days in Paris» hätte kaum größer ausfallen können: statt von Sonnenlicht durchflutetem Humor setzt sie auf das düstere Sittenbild vergangener Zeiten. Einmal mehr hat die Französin dabei neben Hauptrolle und Regie auch die Funktion als Produzentin, Drehbuchautorin und Komponistin übernommen. Doch vor allem als Schauspielerin überzeugt sie auf ganzer Linie und vermag beim Zuschauer Interesse und Faszination zu wecken für diese eigentlich durch und durch unsympathische, ungewohnt kühl wütende Furie.
Dass nicht alle Darsteller so ideal besetzt sind, würde weniger ins Gewicht fallen, hätte Delpy den Stoff als Regisseurin und Autorin noch stärker in eine eindeutige Richtung weiterentwickelt. Ihr Ansatz, die Legende der Blutgräfin als blutigen Grusel-Kommentar auf sehr moderne Schönheitsideale und Geschlechterrollen-Verhalten umzudeuten, ist ebenso reizvoll wie komplex. Doch viel zu oft bleibt Delpys Inszenierung vage und zaghaft, wo man mit viel Mut noch weiter hätte gehen müssen. Als Horrorfilm ist «Die Gräfin» viel zu wenig drastisch oder eklig - und als Kommentar auf den frauenfeindlichen Jugendwahn der heutigen Celebrity-Kultur bleibt er viel zu sehr im engen Historienkorsett hängen, statt es - wie von Sofia Coppola mit «Marie Antoinette» vorgemacht - überspitzt aus den Angeln zu heben.
L'oreal war noch nicht da... serum & blut schon. Interessant. Ich bin begeistert... Julie Delphy überzeugend. Düster. Gut.