Pepperminta
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Filmkritik

Die unerträgliche Seichtigkeit des Scheins

Pipilotti Rist ist eine arrivierte Multimedia-Künstlerin, und die technische Distanz zum Film nicht groß. Der künstlerische Sprung ist aber gewaltig, und leicht fällt man dabei auf die Nase. Ebenso riskant ist es, das Publikumssegement zu wechseln, von der Elite zur Masse, von der Ausstellung zum Kinosaal. Ihr Werk entzieht sich allerdings gekonnt den herkömmlichen Kriterien.

Die Vorgeschichte des Kunstwesens Pepperminta wird rasch und fulminant erzählt. Das seltsame Hobby, eine kleine Bande Erdbeeren zu dressieren, ist Ersatz für Eltern und Spielkameraden. Erziehungsersatz ist ein apfelgroßes sprechendes Auge, das sie Oma nennt und ihr prägnante Ratschläge erteilt wie: «Tu immer das, was du dich nicht traust!» - wahrlich ein Zen-Spruch. Solcherart gestärkt, springt sie nicht nur vom 10-Meter-Brett, sondern beschreitet auch in der Schule ihren eigenen Weg. Wenn die ganze Klasse leugnet - Pepperminta bekennt sich ohne zu zögern zu ihren Überzeugungstaten. Auch Kopfgeburten werden erwachsen, zumindest körperlich, und suchen nach Mitstreitern, um die Welt nach ihren Vorstellungen umzugestalten.

Werwen, doppelte Ungewissheit, heißt das dickliche Muttersöhnchen, das an einer Lebensallergie leidet und von seiner verhärmten Mutter unter Verschluss gehalten wird. Pepperminta muss ihm sofort helfen - Liebe auf den ersten Blick? Bald sind sie mit einer Androgynen, einer Alten und einem Schwarzen zu fünft. Ziel dieser Spaß-Guerilla: den Menschen zur Lebenslust zu verhelfen. Mittel zum Zweck sind dabei Farben: entsprechend bunt treibt es auch die Truppe.

Pepperminta, die künstlerisch begabte Schwester Pippi Langstrumpfs und wohl das Alter ego Pipilotti Rists, verführt mit ihrem kindlichen Charme und ihrem nackten Körper. Dass die Botschaft bald klar ist, schadet nichts. Wenn man nicht rätseln muss, worum es geht, bleibt der Kopf frei für den Rausch der Bilder. Die sind klar und sauber - Rist ist vom Fach, sie beherrscht Zeitlupe, -raffer und Fischauge, setzt sie extensiv ein, fast exzessiv. Dramaturgisch verhebt die Folge von Episoden und Video-Clips der hochbegabten und -gebildeten Rist aber noch nicht.

Dennoch ist das Ergebnis im doppelten Sinne sensationell, selbst wenn es idelogisch Wein des Jahrgangs 1968 in modernen Kabeln ist - und mehr Provokation als Substanz, wenn Inkunablen der europäischen Hochkultur durch das Menstruationsblut gezogen werden. Blut, das Mefisto noch besonderen Saft nannte, mutiert in seiner menstruellen Form zur Instantdroge, zum Red Bull der Farbsekte, der Heilige Gral zum Cüpli aus der Hotelminibar. Dieser obsolete Tabubruch schmeckt schal.

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3 Kommentare
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Clod

Faszinierend. Schön, dass es diesen Film gibt - er ist ein Geschenk an die Sinne, an das Herz und ein Aufruf an die Freiheit. Der Verstand sollte während dieses Filmes besser still gelegt werden, er s...
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Klaus

schrill und doch berührend. Ein bunter, schriller und manchmal auch nerviger Film. Und doch vermag er in einzelnen Szenen zu berühren.
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Bertram

Was war das denn?. Ich fand ja die Kunst von Pipilotti Rist immer einigermassen spannend. Sie schaffte es, Räumen eine neue Qualität zu geben durch deren Bespielung mit ihren Videoinstalltionen. Nun ...
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