Die Vereinten Nation haben 2010 zum Jahr der Artenvielfalt erklärt, weil - man ahnt oder weiß es schon - jedes Jahr Tausende Arten aussterben und das nicht so weiter gehen kann, da sonst der Mensch alleine übrigbleibt. Das wär nicht nur langweilig sondern auch problematisch. Weil: Was isst der Mensch dann?
Ein Großteil der Arten lebt vermutlich in den Weltmeeren. Diese Annahme beruht allerdings auf einer groben Schätzung, da gerade die Weltmeere schlechter als die Rückseite des Mondes erforscht sind und viele Arten bereits ausgestorben sind, bevor der Mensch sie zu Gesicht bekam. Daran wird leider der Film von Jacques Perrin und Jacques Cluzaud nichts ändern, denn die Entscheidungsträger gehen nicht ins Kino und in zwei Stunden kann man nur einen kleinen Teil der Arten zeigen (unter anderen: Albatrosse, Pinguine, Eisbären, Robben, Wale, Delfine, Haie, Seeschlangen, Kraken und bizarre Tiefseebewohner) - das dafür aber umso schöner.
Weil die beiden Regisseure, die auch beim «Geheimnis der Zugvögel» an der Regie beteiligt waren, bekanntlich nicht viel von Kommentaren halten, halten sie sich auch diesmal zurück, so dass man bald die Orientierung auf dieser Odyssee verliert und sich ganz dem Rausch der Bilder hingibt. Dank speziell entwickelter Hilfsmittel ist man so dicht an den Tieren dran, dass man das Geschehen oft hautnah miterleben kann.
Dass auch die Meere und der angrenzende Luft- und Landraum kein Idyll sondern ein Kampfplatz ums Überleben sind, weiß man eigentlich. Aber wenn Haie und Tümmler Robben jagen oder Seevögel erbarmungslos die gerade geschlüpften Wasserschildkrötchen schnappen, die verzweifelt versuchen, vom Sand ins Wasser zu gelangen, muss man schon ein paarmal leer schlucken, denn nie gibt es einen verniedlichenden oder vermenschlichenden Kommentar. Dass hinter den makel- und schwerelosen Bildern unendlich viel Arbeit steckt, merkt man erfreulicherweise nicht. Dass die Regisseure von ihrem Sujet so begeistert sind, dass sie wenig Wert auf eine wie immer geartete Dramaturgie legen, merkt man dagegen schon. Seinen Zweck erfüllt der Film aber auch so.