Mademoiselle Chambon - Filmkritik
| Land (Jahr): | Frankreich (2009) |
| Genre: | Drama, Romance |
| Filmlänge: | 101min |
| Regie: | Stéphane Brizé |
| Kinostart: | 12.08.2010 |
| 14.10.2009 (Romandie) | |
| 30.12.2009 (Tessin) |
Only Love Can Break Your Heart
Fällt irgendwo das Schlagwort «französisches Kino», wird im Zuschauer eine ziemlich genaue Erwartungshaltung geweckt, und vor dem inneren Auge beginnt ein ruhiger, unterhaltsamer, subtiler, romantischer und tragischer Film zu laufen. «Mademoiselle Chambon» erfüllt gekonnt all diese Kriterien.
Handwerker Jean (Vincent Lindon) führt ein bürgerliches und geregeltes Leben. Zusammen mit seiner Frau Anne Marie (Aure Atika) und seinem Sohn genießt er den Alltag zwischen Arbeit und Familie. Doch eines Tages trifft er Mademoiselle Chambon (Sandrine Kiberlain), die neue Lehrerin seines Sohnes, die ihn bittet, einige Reparaturen in ihrer Wohnung durchzuführen. Vorsichtig entwickelt sich zwischen dem wortkargen Maurer und der attraktiven Lehrerin ein zartes Liebesgespinst, und Jean sieht sich mit einer ihm bislang unbekannten emotionalen Verwirrung konfrontiert.
Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Éric Holder hat Regisseur Stéphane Brizé einen leisen und - im besten Sinne - unspektakulären Film gedreht. So einfach die Geschichte erscheinen mag, so komplex sind die Gefühlswelten der Protagonisten. Dafür gab es 2010 einen César für das beste Drehbuch. Durch die präzise Zeichnung der Charaktere und der Konzentration auf einzig für den Handlungsverlauf essentielle Momente, erschafft Brizé eine glaubwürdige und rührende, aber niemals rührselige Liebesgeschichte, die aus der konsequenten Reduktion auf allen Ebenen ihre Kraft schöpft.
«Mademoiselle Chambon» ist eines der wenigen Beispiele dafür, dass die Narration fast gegen Null laufen, und dennoch jede Sequenz von einer unglaublichen Dichte geprägt sein kann. Der faszinierende Sog des Geschehens wird zusätzlich verstärkt durch die Intimität der Bilder des Kameramanns Antoine Héberlé, der es durch seine klaren Tableaus schafft, völlig unaufgeregt jede noch so kleine Regung in der komplexen Gefühlswelt der Charaktere sichtbar zu machen, ohne dabei einem emotionalen Voyeurismus anheim zu fallen.
Lange war eine aufkeimende Liebe und die sie begleitenden Zweifel nicht mehr so realistisch nachvollziehbar und ohne falsche Sentimentalität auf der Leinwand zu sehen. Ob die besondere Chemie zwischen den Darstellern allerdings daher rührt, dass Sandrine Kiberlain die Ex-Frau von Vincent Lindon ist, der nun mit Aure Atika zusammen ist, sei dahingestellt. So oder so schafft Brizé eine Wahrhaftigkeit, die anrührend und wunderschön ist. [Cornelis Hähnel]
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