Inglourious Basterds - Filmkritik
| Land (Jahr): | Frankreich, Deutschland, USA (2009) |
| Genre: | Action, Drama, War |
| Filmlänge: | 153min |
| Regie: | Quentin Tarantino |
| Kinostart: | 20.08.2009 |
| 19.08.2009 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Quentin Tarantino |
Bring mir den Skalp von Adolf Hitler
In Quentin Tarantinos Weltkriegsgarn «Inglourious Basterds» skalpieren US-Soldaten Nazis, und eine cinéphile Holocaust-Überlebende bringt zusammen mit dem sagenhaften Bären-Juden den Kaugummi-verteilenden Adolf Hitler um.
Geht sowas? Im von den Nazis besetzten Teil Frankreichs gelingt es der Jüdin Shosanna (Mélanie Laurent) 1942, als einziges Mitglied der Familie Dreyfus dem SS-Teufel und Juden-Jäger Hans Landa (Christoph Waltz) zu entkommen. Zwei Jahre später führt sie unter falschem Namen ein Kino in Paris. Hier wird sich die Gelegenheit ergeben, die Nazi-Bosse inklusive Führer abzumurksen. Doch dazu später. Eingeführt werden jetzt die «Basterds»: US-Spezialisten, die sich unter dem Kommando von Leutnant Aldo Raine (Brad Pitt) darauf kaprizieren, mittels Nazi-Kopfhautabschneiden hinter den feindlichen Linien Angst und Schrecken zu verbreiten. Bis auf Ray, der von Apachen abzustammen behauptet und Hugo Stigliz (Til Schweiger), einem von den Yankees befreiten Nazi-Killer, sind alle Basterds jüdischen Glaubens, was ihre Befangenheit im Umgang mit Mitgliedern der selbst ernannten Herrenrasse nachvollziehbar macht.
Als Skalpieren allein nichts mehr ausrichtet, sollen die Basterds zusammen mit dem britischen Ex-Filmkritiker Archie Hicox (Michael Fassbender) in Paris Hitler, Goebbels, Göring & Co. während der Premiere des Durchhaltestreifens «Der Stolz der Nation» in die Luft sprengen. «Operation Kino» ist geboren. Während des Unternehmens treffen wir auch Shosanna wieder. Mit ihr betreten die Bühne: «Der Stolz der Nation» Fredrick Zoller (Daniel Brühl) sowie Doppelagentin Bridget von Hammersmark (Diane Kruger), und zu schlechter Letzt gibt es ein Wiedersehen mit Hans Landa, der auf seiner mörderischen Tour quer durch Europa eine Blutspur hinter sich herzieht.
Ja, es geht. Quentin Tarantino hat für «Inglourious Basterds» zwar tief in die B-Movie-Kiste gegriffen, doch herausgekommen ist, bis auf einige klug eingesetzte ikonische Momente aus «Das dreckige Dutzend», «The Good, The Bad and the Ugly» oder dem notorischen «Ilsa She Wolf of the S.S.», ein eigenständiger Schauspielerfilm, in dem vor allem Christoph Waltz eine denkwürdige Vorstellung gibt. Statt Granatfeuer und Töff-Verfolgungsjagden kommen Worte wie Kugeln. Die Duelle werden verbal ausgetragen und schlagen spannungsmässig jede Panzerschlacht. Mit traumwandlerischer Sicherheit setzt Tarantino seine kunstvollen Gesprächskaskaden; zuerst auf Französisch, dann Deutsch, Englisch und auch auf Italienisch. Vollendet wird dieser Rap der Rache und Vergeltung durch die Verbindung der bösen Worte mit präzise platzierten Morricone-Beats. Schliesslich den Golem, Winnetou, King Kong, Hitchcocks diabolisches Milchglas und das Aschenputtel locker ins märchenhafte Weltkriegsgeschehen eingebaut: Der Pulp-Hansl Tarantino erweist sich einmal mehr als popkultureller Überflieger.
[Benedikt Eppenberger]
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