Haben Sie schon von den Morgans gehört? - Filmkritik
| Originaltitel: | Did You Hear About the Morgans? |
| Land (Jahr): | USA (2009) |
| Genre: | Comedy, Drama, Romance |
| Filmlänge: | 111min |
| Regie: | Marc Lawrence |
| Kinostart: | 07.01.2010 |
| 20.01.2010 (Romandie) | |
| 19.02.2010 (Tessin) |
Land in Sicht
«Entschleunigung» ist ein Modewort dieser Tage - meistens ausgesprochen von pflichtbewussten Großstädtern, die im Zuge von Global Warming, Finanzkrise und Öko-Boom einmal tief durchatmen wollen, um wieder zu sich selbst zu finden. Entschleunigung ist zu einem neuen Gesellschaftskarma geworden. Und dieses Karma rettet auch das Paar in diesem Film.
Denn Paul (Hugh Grant) und Meryl Morgan (Sarah Jessica Parker) haben dringend einen Break nötig. Seit Paul mit einer anderen Frau geschlafen hat, ist die Ehe der beiden erfolgreichen Geschäftsleute auf dem emotionalen Nullpunkt angelangt. Die Kommunikation ist nur noch mit Hilfe persönlicher Assistenten möglich, die per Blackberry den üppigen Terminkalender verwalten. Er will sie zurück, doch sie zeigt keine Gnade. Ist das noch Liebe?
Eine gewöhnliche Romantic Comedy würde sich damit zufrieden geben, das Zueinander-Wiederfinden der beiden als quälende Schmonzette mit schicker Manhattan-Ästhetik zu erzählen. Regisseur Marc Lawrence hat sich lieber einen schönen Twist überlegt: Als seine Protagonisten einen Mord beobachten und der Killer noch auf freiem Fuß ist, werden die beiden als Schutzmaßnahme vom FBI auf einen Farm nach Wyoming verfrachtet, wo das technologisierte Großstadt-Paar auf die archaische Kraft der Natur trifft - und damit ziemlich überfordert ist.
Es ist klar, dass dies ein wertkonservativer Film über die heilende Wirkung des hinterwäldlerischen Cowboy-Lebens ist, der die beiden verweichlichten New Yorker auf die Schippe nimmt. Doch Marc Lawrence hütet sich vor moralischen Verurteilungen und zeigt auch die Provinzler mit gesunder Selbstironie, die von Demokraten nicht viel halten, zentnerweise Fleisch im Kühlschrank stapeln und dem Hufeisen-Weitwurf huldigen, als wäre es eine olympische Disziplin. Der Film beweist dabei einen feines Gespür für durchaus aktuellen Humor: Als sich Meryl das erste Mal ihrer neuen Gastgeberin Emma (Mary Steenburgern) gegenüber sieht, die eifrig ihre neue Jagdflinte studiert, sagt sie ängstlich zum Noch-Gatten: «Oh mein Gott, da kommt Sarah Palin» - jene verrückte und republikanische Gouverneurin von Alaska, die im letzten Jahr Vize-Präsidentin der USA werden wollte.
Ob Hugh Grant und Sarah Jessica Parker als Traumpaar wirklich glaubwürdig sind, soll an dieser Stelle gerne angezweifelt werden. Dass aber kaum jemand wie Hugh Grant den verunsicherten und zweifelnden Charmeur spielen kann, lässt sich in der Tat kaum abstreiten. Im republikanischen Cowboy-Land sorgt sein britisches Understatement für einen sehenswerten Culture Clash. [David Siems]
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