| Land (Jahr): | Deutschland (2008) |
| Genre: | Comedy, Drama, Romance |
| Filmlänge: | 104min |
| Regie: | Mike Marzuk |
| Kinostart: | 17.04.2008 |
| Drehbuch: | Peer Klehmet |
| Sebastian Wehlings |
Mit Dr. Sommer an der Nordsee
Die Teenie-Romanze «Sommer» ist ganz auf den Mädchenschwarm Jimi Blue Ochsenknecht zugeschnitten, der deshalb eine Lederjacke und ein Skateboard herumtragen darf, während er die unbedrohlich finstere Miene fürs «Bravo»-Titelblatt übt. Mehr als dieses bisschen Jugendkultur traut die Romantikkomödie ihrem Publikum offensichtlich nicht zu.
Denn Coolness ist so ziemlich die einzige Charaktereigenschaft, mit der das Team um Regisseur Mike Marzuk die Hauptfigur von «Sommer» ausgestattet hat. Den sanften Berliner Grossstadtrebellen Tim (Jimi Blue Ochsenknecht) aus den «Die wilden Kerle»-Filmen, verschlägt es zu seiner Grossmutter auf eine Nordseeinsel, auf der er sich ausgerechnet in die Freundin des örtlichen Cliquen-Leaders verliebt.
Wie ein gezähmter James Dean hangelt sich Tim von einer coolen Pose zur nächsten, um schliesslich in einem Schwimmduell im Kampf um das Mädchen gegen seinen Widersacher anzutreten. Da hat sich im Teenagerfilm seit «Rebel without a Cause» offensichtlich nicht viel verändert. Nur wurden dem Rebellen die Zähne gezogen: Die unermüdlich betonte Aufmüpfigkeit des Helden beschränkt sich darauf, das Skateboard über den Schulhof zu tragen und Bier zu trinken (überhaupt scheint es auf der Nordsee-Insel keine Altersbeschränkung für Alkoholika zu geben, bechern die 15-jährigen Hauptfiguren doch so einiges weg).
Der Film biedert sich ziemlich schamlos bei der Zielgruppe an und wirkt deshalb oft wie eine verfilmte «Bravo»: Da sind viele verkrampfte Dr. Sommer-Tipps zum ersten Mal, komprimierte Jugendkultur und Jimi Blue Ochsenknecht als überdimensionierter Starschnitt. Viel mehr als die gängigen Genre-Zutaten sind nicht drin, und so mancher Dialog versandet irgendwo am Nordseestrand.
Sommer ist ein ziemlich routiniert und charmefrei heruntergekurbelter Genrefilm, der eher lieblos auf die Zielgruppe hingeschustert wurde. Was an schauspielerischer Leistung geboten wird, ist streckenweise ziemlich dürftig. Da scheint man sein eigenes Publikum nicht richtig ernst genommen zu haben - schliesslich kann man auch für Teenager gute Filme machen. Stattdessen verlässt man sich ganz auf die Zugkraft des Teeniestars Ochsenknecht. Und damit man keine Sekunde vergisst, wer dessen prominenter Vater ist, spielt Uwe Ochsenknecht dann auch gleich Tims Vater. Nötig wäre das wohl kaum, schliesslich ist der Sohnemann für die Zielgruppe unter 16 längst das grössere Zugpferd als der Vater. [Andres Hutter]
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