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Caos calmo - Filmkritik

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Aka Titel:Stilles Chaos
Land (Jahr): Italien, Grossbritannien (2008)
Genre:Drama, Romance
Filmlänge:113min
Regie:Antonio Luigi Grimaldi
Kinostart:24.04.2008
 13.08.2008 (Romandie)
Drehbuch:Sandro Veronesi

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Der Bankdirektor

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Ein bisschen Spass darf sein - auch bei der Trauerarbeit: In Antonello Grimaldis Bestseller-Verfilmung überwindet Nanni Moretti den plötzlichen Tod seiner Ehefrau auf einer Parkbank.

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Italiens Geistliche waren «not amused». Denn das Fleisch ist schwach - und stark zu sehen: ihre Brüste, sein Hintern, und wie haarig der ist! «Von einem Regisseur wie Nanni Moretti hätte man sich eine romantische Szene erwartet», stöhnte es aus dem Vatikan. Sie hatten in der Erregung übersehen, dass der Gescholtene bloss mithalf, aus einem Bestseller ein Drehbuch zu schustern - und «Caos calmo» als fabelhafter Schauspieler trägt. Die kirchliche Empörung galt dem ersten Leinwandsex des Italieners mit der Riesennase, dessen Fan-Gemeinde schon länger weiss, dass er auch im Bett grösser ist als seine Landsmänner; zumindest als väterlicher Vorleser von Gutenacht-Geschichten.

Kein Grund zum Gähnen - auch wenn ein Antonio Luigi Grimaldi Regie führt: Es steckt viel von einer typischen Moretti-Figur in diesem Pietro, dessen Arbeit Trauer heisst, kaum sind fünf Minuten vergangen. Seine Gattin liegt tot im Garten des Ferienhauses, während er jene Fremde vor dem Ertrinken rettet, die er später von hinten in himmlische Sphären stossen wird und sich selbst zurück ins Leben. Nie ganz so derb, aber Nanni Morettis Menschen verstanden es schon immer, das Eine zu tun, ohne das Andere zu lassen. Nacheinander, das ist Paris - der Römer entdeckt lieber im Andern das Eine, kostet die tragische Komik der Früchte, die verboten riechen, tastet nach dem Alltäglichen in der Ausnahmesituation. Paradox ist ja schon der Titel, und genau so lässt sich der «Caos calmo» auch an. Fragt der Bruder (Alessandro Gassmann) nach der geglückten Bergung: «Sah sie eigentlich gut aus?» Und in den Listen, die Pietro bei jeder unpassenden Gelegenheit anfertigt, kommt viel scheinbar Ungehöriges zusammen. Schlimmstes je Gesehenes, zum Beispiel: die Kämme und die abgeschnittenen Haare in Auschwitz - dazwischen liegt die grüne Kotze eines amerikanischen Horrorfilms.

Die Unordnung der Dinge: Ist das noch Schmerz oder schon Scherz? Da geht ein Top-Manager, dessen Firma vor einer Fusion mit einem amerikanischem Giganten steht, einfach nicht mehr zur Arbeit, sondern wartet wochenlang vor der Schule der Tochter, bis es Abend wird? Die Arbeitskollegen intrigieren, kapitulieren, kopulieren, und er geht Tauben füttern im Park - und wird gefeiert statt gefeuert? Auch der weltliche Filmkritiker empfindet ein leises Unbehagen an der Natur solcher Unwahrscheinlichkeit, stösst sich an der fast melodramatischen Systemkritik, die geboren ist aus dem Geist des Verlusts und - zum Glück - getragen wird von einem feinen Humor. Morettis Leiden war bodenloser und doppelbödiger, als er seinen tödlich verunglückten Sohn beweinte und mit ihm den Glauben an die Psychotherapie zu Grabe trug. Keine Frage: In «La stanza del figlio» wohnte mehr Tiefe, hauste mehr Schärfe, zeigten sich mehr Kratzer im Lack einer Gesellschaft, deren Oberflächen-Obsession sich in den viel zu weissen Zähnen von Pietros Model-Bruder zu spiegeln scheint, die so poliert sind wie die teuren Wagen, die hier alle fahren. Das, man möchte fast flüstern, Feel-Good-Movie - streckenweise nahe an, aber nie jenseits der Grenze zum Rührstück parkiert - war in Italien auf dem Weg zum Film des Jahres 2008, wurde für zirka zwei Dutzend «David di Donatello» nominiert, fuhr dann aber nur drei der wichtigsten Filmpreise ein im Lande mal wieder Berlusconis. [Stefan Gubser]

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