Selbst wenn Stephen King nicht der meistgelesenste Autor der Welt sein sollte - der meistverfilmte ist er wohl. Ein gewöhnliches Jahr sieht gut drei neue King-Adaptionen, die meisten davon furchtbarer Blödsinn. Dabei liefert der Vielschreiber aus Maine weit mehr als nur Grusel-Lektüre für den Bahnhofskiosk. Was sich aus einer King-Vorlage machen lässt, hat schon 1980 Stanley Kubrick mit «The Shining» gezeigt.
Auch Frank Darabont lieferte 1994 mit «The Shawshank Redemption» eine gelungene King-Umsetzung (und doppelte fünf Jahre später mit dem schwächeren «The Green Mile» nach). Doch wenn sich Darabont jetzt «The Mist» vornimmt, ist das ein anderes Kaliber als die beiden leicht kitschigen Gefängnisfilme. Die Novelle aus dem Jahr 1980 zeigt King von seiner Lovecraftschen Seite: Es ist ein klassischer Horrorstoff mit Tentakel-Monstern und, wie der Titel schon andeutet, einem unheimlichen Nebel.
Dieser undurchdringliche Nebel ist das Ergebnis eines missglückten Experiments des US-Militärs an der Küste von Maine. Damit nicht genug: Zu allem Unglück tummeln sich im Nebel auch allerlei fürchterliche Kreaturen, von denen fliegende Rieseninsekten die harmlosesten scheinen. Die Überlebenden der Katastrophe finden in einem Supermarkt Zuflucht. Unter ihnen auch David Drayton (Thomas Jane) und sein fünfjähriger Sohn Billy (Nathan Gamble).
Ständigen Attacken aus dem Nebel ausgesetzt, bilden sich im Supermarkt bald zwei Gruppen. Die eine schart sich hinter den Alpha-Mann David. Die andere hinter die religiöse Spinnerin Mrs. Carmody (Marcia Gay Harden), die im Nebel eine Strafe Gottes sieht und schrill nach Menschenopfern schreit. Nun scheinen die wahren Monster plötzlich nicht mehr im Nebel zu lauern.
Eine Binsenweisheit: Jeder Film ist ein Spiegel der Gesellschaft, in der er entstand, und damit schon inhärent politisch. Frank Darabont macht das überdeutlich und gestaltet sein Kammerspiel im belagerten Supermarkt als Parabel auf die innenpolitischen Zustände in den USA nach den Attacken von 9/11. Damit überfordert er allerdings seine Geschichte (und seine Hauptdarsteller). Was an sich ein kompetent inszenierter Horrorfilm ist, wirkt am Ende verfahren und mit über zwei Stunden Laufzeit reichlich aufgebläht. Die Monster sehen trotzdem toll aus.