Es beginnt mit einem Schelmenstück und endet in patriotischer Begeisterung: Yandem Ali (Kenan Imirzalioglu), ein Mann wie ein Baum, der jeden Gegner mit der blossen Hand zur Strecke bringt, hat gerade einige Männer beim Kartenspiel übers Ohr gehauen und ein Lokal zu Kleinholz verarbeitet. Der ehemalige Marinesoldat hat keine Lust mehr auf Militärdienst und andere Verpflichtungen, er will mit seiner Geliebten Defne (Cansu Dere) schleunigst nach Europa. Doch das ist nicht so einfach, denn diese ist mit einem griechischen Miesling verheiratet. Den liebt sie zwar nicht, aber betrügen würde sie ihn nie - dazu ist sie zu tugendhaft. Als wäre das nicht schlimm genug, kommt Ali auch noch die Weltgeschichte in die Quere: Das einstige Osmanische Reich liegt in Trümmern, Griechen und Briten marschieren in Istanbul ein, und Mustafa Kemal, den man später nur noch als Atatürk kennen wird, ist dabei, den Widerstand zu organisieren. Da kann ein Mann wie Ali, der Ärger nie aus dem Weg geht, natürlich nicht abseits stehen.
Jedes Land hat seine Gründungsmythen, und zu diesen gehören auch Bösewichte, mögen dies nun Habsburger oder - wie in «Son Osmanli» - Griechen sein. Dagegen ist an sich noch nichts zu sagen, es gehört gewissermassen zum Genre. Wenn diese wie hier aber zu rassistischen Klischees verkommen, die offensichtlich nur revanchistischen Gelüsten dienen, dann ist das peinlich. Der Film ist ein Stück nationalistisches Selbstvergewisserungskino und passt gut ins Bild, das die Türkei momentan im Ausland abgibt: Ein verunsichertes Land, in dem kritische Schriftsteller wegen «Beleidigung des Türkentums» vor Gericht gebracht oder - wie kürzlich der armenische Journalist Hrant Dink - auf offener Strasse ermordet werden. Natürlich sind Filme wie «Son Osmanli» nicht für die angespannte politische Situation in der Türkei verantwortlich, sie sind wohl mehr Symptom als Ursache.
Anders als «Tal der der Wölfe» dürfte der Film von Mustafa Sevki Dogan aber kaum für grosse Schlagzeilen sorgen, dazu ist er dann doch zu harmlos und zu langweilig. Der Film, der zwischen Schelmenstück und nationalistischem Pathos hin- und herpendelt, ist ganz solide gemacht, lässt aber trotz allen Prügeleien und Feuergefechten Tempo und Schmiss vermissen. Ein sympathischer Hauptdarsteller allein reicht einfach nicht, um fast zwei Stunden Film zu tragen und all die nationalistischen Klischees vergessen zu machen.