Einmal mehr hat er in der Nacht aufgeräumt: «Michael Clayton» (George Clooney) gilt als «Abwart» einer grossen Anwaltskanzlei. Er kümmert sich um private Probleme der Kunden - Fahrerflucht zum Beispiel. Im Morgengrauen steigt er aus seinem Auto, auf einen Hügel zu weidenden Pferden. Eine idyllische Szene - bis sein Auto explodiert.
Es folgt eine Rückblende auf turbulente Tage: Clayton ist wegen Spielschulden unter Druck. Gleichzeitig erleidet sein Freund Arthur einen psychotischen Schub und entdeckt sein Gewissen. Der Topanwalt wechselt die Fronten - statt weiterhin einen Chemiekonzern gegen eine Sammelklage zu vertreten, fühlt Arthur mit den Opfern eines giftigen Pflanzenschutzmittels mit.
Eine Farmerstochter hat ihn dermassen berührt, dass er seine Karriere aufs Spiel setzt. Reichlich naiv für einen Anwalt, auf einmal ein guter Mensch sein zu wollen, wie Clayton seinem Freund vorhält. Als Arthur bekannt gibt, dass er brisante Unterlagen über den Konzern besitzt, unterzeichnet er sein Todesurteil: Tage später liegt er leblos in seiner Wohnung; als Mitwisser ist auch Clayton in Gefahr.
Es ist eine kalte Welt, in der sich die Schicksale von Farmern entscheiden - das wird schon in den blaustichigen Bildern deutlich. Und es braucht ein Pokerface, um das Spiel um Leben und Tod mitzuspielen. Da kann der labile Arthur nicht gewinnen. Aber der spielsüchtige Clayton ist in seinem Element, wenn er auf Karen Crowder trifft. Crowder leitet die Rechtsabteilung des Chemiekonzerns, und sie geht für ihre Firma über Leichen. Nur vor dem Badezimmerspiegel leistet sie sich eine Blösse, und es ist fantastisch, wie Tilda Swinton die Einsamkeit einer Frau an der Macht in ein Augenflackern fasst. Sie hat ihren Oscar für die beste Nebendarstellung reichlich verdient.
Überhaupt sind die Schauspieler grossartig: George Clooney in der Hauptrolle spielt zurückhaltend und lässt doch Intensität durchschimmern. Tom Wilkinson schafft es, Arthurs Wandel zum Gutmenschen glaubhaft zu machen. Ein packender Thriller mit einer herausragenden Besetzung: «Michael Clayton» erinnert in seinen besten Momenten an die Klassiker der Siebzigerjahre.