An Inconvenient Truth - Filmkritik
| Aka Titel: | Eine unbequeme Wahrheit |
| Land (Jahr): | USA (2006) |
| Genre: | Documentary |
| Filmlänge: | 100min |
| Regie: | Davis Guggenheim |
| Kinostart: | 19.10.2006 |
| 11.10.2006 (Romandie) | |
| Produktion: | Lawrence Bender |
| Cast: |
| Al Gore |
Vor uns die Sintflut
«My name is Al Gore, I used to be the next president of the United States.» - Mit diesem Satz pflegt sich der ehemalige US-Vizepräsident bei öffentlichen Auftritten vorzustellen und natürlich hat er damit die Lacher auf seiner Seite. Die selbstironische Floskel soll wohl auch jene Lügen strafen, die in Gores Mangel an Charisma den Hauptgrund für dessen Niederlage sehen. Doch es ist nicht Gores politische Karriere, um die es in «An Inconvenient Truth» geht, sondern sein Einsatz gegen die drohende Klimakatastrophe.
Umweltschutz ist seit langem Al Gores Kernanliegen, und seit der erfolglosen Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2000 tourt er mit einer multimedialen Show um die Welt, um für eine Reduktion des Kohlenstoffdioxid-Ausstosses zu werben. Sein Vortrag vor Publikum bildet den Kern des Dokumentarfilms von Davis Guggenheim, angereichert mit zusätzlichem illustrierendem Filmmaterial und Bildern von Gore auf Tour.
Die Klimaerwärmung ist eine Tatsache, sie findet überall statt, lässt sich an zahlreichen Indizien beobachten und hängt direkt mit dem CO2-Anstieg in der Atmosphäre zusammen. Anhand zahlreicher Beispiele - von den abbrechenden Eisinseln in der Antarktis über schwindende Gletscher in den Schweizer Alpen bis zu der Zunahme von Tornados - erläutert der Film die verheerenden Folgen der Klimaerwärmung. Wieder und wieder kehrt Gore zu seiner Hauptbotschaft zurück: Der Treibhauseffekt findet statt, seine Ursachen liessen sich aber - noch - beseitigen.
Was kann man an einem Film aussetzen, der für nichts weniger als die Rettung unseres Planeten wirbt? Gores Anliegen ist nicht nur ehrbar, es ist zweifellos von eminenter Wichtigkeit für die gesamte Menschheit. Doch stellt sich bei «An Inconvenient Truth» die Frage, für wen der Film gedacht ist. Gores Zielpublikum ist offensichtlich das amerikanische. Dies zeigt sich nicht nur in der penetranten Mischung aus Didaktik und Pathos, die durch einzelne witzige Passagen nicht geniessbarer wird. Auch wenn Gore immer wieder betont, dass die USA nicht nur der weltweit grösste CO2-Produzent ist, sondern als einziges Land neben Australien das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert hat, wird deutlich, dass er sich primär an seine Landsleute richtet.
Gerade die Tatsache, dass die USA immer wieder als Hauptsünder hingestellt werden, könnte sich hierzulande aber als kontraproduktiv erweisen; für den europäischen Zuschauer liegt es angesichts der eindeutigen Zahlen nahe, sich bequem zurückzulehnen und mit dem Finger auf den wahren Bösewicht zu zeigen - die Umweltsünder, das sind ja die anderen.
Filme wie an «An Inconvenient Truth» haben ohnehin die Tendenz, zu den Bekehrten zu predigen. Oder wird sich ein Öl-Lobbyist diesen Film ansehen und vor allem: wird er sich von ihm überzeugen lassen? Zu hoffen wäre es freilich. Insofern möchte man Gores Film trotz seiner Schwächen möglichst viele Zuschauer wünschen.
[Simon Spiegel]
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