Tsotsi - Filmkritik
| Land (Jahr): | Südafrika, Grossbritannien (2005) |
| Genre: | Crime, Drama |
| Filmlänge: | 95min |
| Regie: | Gavin Hood |
| Kinostart: | 11.05.2006 |
| 19.07.2006 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Athol Fugard |
Kinder-Überraschung
«Tsotsi» handelt von der Läuterung eines jugendlichen Kleinkriminellen in einem «Shanty Town» von Johannesburg. Dass Regisseur Gavin Hood mit seinem Drama das Mitgefühl des Publikums massiert, hat ihm nicht zum Nachteil gereicht - «Tsotsi» wurde mit einem Oscar prämiert.
Am 5. März dieses Jahres durfte der Südafrikaner Gavin Hood den Oscar für den besten fremdsprachigen Film entgegennehmen. Er bedankte sich insbesondere bei seinen jungen Hauptdarstellern. Es war dies mehr als bloss eine schöne Geste. Presley Chweneyagae ist in diesem Film das eigentliche Ereignis, ein Debütant, der die wichtigste an ihn gestellte Anforderung meisterte: die kindlich unschuldige Seite des Titelhelden ebenso glaubhaft abzubilden wie seine bestialische Härte. Chweneyagae ist Dreh- und Angelpunkt von «Tsotsi», als gleichnamiger Strassenräuber, der in seinem erkalteten Herz unerwartetes Mitgefühl aufflackern fühlt.
Zu Beginn ist davon noch nichts zu spüren. Als Anführer einer Clique von Kleinkriminellen nimmt Tsotsi in der U-Bahn den Tod eines wehrlosen Geschäftsmannes in Kauf. Und als ein Gefährte wenig später über das Wesen des Anstandes sinniert, haut er ihm kaltschnäuzig das Gesicht zu Brei. Doch dann der Wendepunkt - Tsotsi schiesst in einem Nobelquartier eine Automobilistin nieder und «carjacked» ihren Wagen. Was der Strassenräuber erst später bemerkt: Auf dem Rücksitz liegt ein Baby. Als wär's blosse Beute, schafft Tsotsi das Kind in seine kleine Hütte in einem «Shanty Town». Findig genug, aus einer Zeitung eine Windel zu basteln, ist der halbwüchsige Gangster allemal, aber wie will er den Hunger des Babys stillen - und wie das Kind, nach dem inzwischen gefahndet wird, verborgen halten?
Wenn ein hartgesottener Kleingangster unvermittelt Mitgefühl entwickelt und Fürsorge für ein Baby zeigt, verbreitet sich der ranzig süsse Duft des Betroffenheitskitsches. Tatsächlich ist «Tsotsi» nicht frei von Gefühlsduselei, anschwellenden Mitleidsmelodien und Selbstergriffenheit. Hält Regisseur Gavin Hood sich aber einmal zurück, schafft er plötzlich Raum für nun wirklich berührende Momente. Wie ein alltäglicher Akt der Mütterlichkeit Tsotsi in regloses Staunen versetzt, beispielsweise. Und Bilder der Lebensumstände südafrikanischer Halbwüchsiger, denen freistehende Betonröhren als Obdach genügen müssen.
Eine Randbemerkung: Das südafrikanische Kulturministerium hat gut zwei Monate vor dem Oscar-Triumph dieses Filmes die Förderung von Filmprojekten eingestellt. [Simon Kern]
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