Land of the Dead - Filmkritik
| Land (Jahr): | Kanada, Frankreich, USA (2005) |
| Genre: | Horror, Sci-Fi, Thriller |
| Filmlänge: | 93min |
| Regie: | George A. Romero |
| Kinostart: | 01.09.2005 |
| 10.08.2005 (Romandie) | |
| Drehbuch: | George A. Romero |
Bissige Sozialkritik
Quel Comeback: 20 Jahre nach «Day of the Dead» holt der Vater des modernen Zombie-Films die Untoten wieder aus der Gruft. Das ist, wie gewohnt, Sozialkritik mit Biss. Und keine Angst: Es werden den Menschen immer noch die Gedärme aus der Bauchhöhle gerissen.
James McFarland attestiert George A. Romeros «Dawn of the Dead» eine ungewöhnliche Kohärenz und Transparenz des Erzählflusses. Weil der Regisseur keine wirkliche Begründung für das Auftauchen der lebenden Toten lieferte, konnte er nur durch eine glaubwürdige Inszenierung der folgenden Ereignisse die Handlung legitimieren. Das trifft auch auf «Land of the Dead» zu, den fulminanten vierten Teil von Romeros Zombie-Reihe. Weshalb die Untoten nun die Welt beherrschen und die letzten Menschen sich in das zur Festung gewordene Pittsburgh zurückgezogen haben, wird nicht erklärt. Umso stringenter ist dafür die erzählte Geschichte.
Wir sehen Riley (Simon Baker), den stoischen Anführer einer Söldnertruppe, die mit Raubzügen ausserhalb der befestigten Zone Lebensmittel und Medikamente in die Stadt bringt. Sein designierter Nachfolger Cholo (John Leguizamo) ist mehr daran interessiert, mit Gefälligkeiten für den Quasi-Diktator Kaufmann (Dennis Hopper) den Aufstieg in die Elite zu schaffen. Als ihn Kaufmann hintergeht, stiehlt Cholo ein gepanzertes Fahrzeug und droht, die Stadt mit Raketenwerfern zu beschiessen. Die Zombies machen derweil einen Evolutionsschritt durch und lernen, mit Werkzeugen und Waffen umzugehen.
Viele Überraschungen kann man vom Plot nicht erwarten. Die Charaktere bleiben holzschnittartig, die Dialoge hölzern. Durch diese Reduktion erinnert der Film an manchen Stellen an ein Theaterstück (so hatte sich John Carpenter wohl seinen «Ghosts of Mars» gewünscht). Und dem Regisseur gelingen schöne Bilder. Wie er die Zombie-Horden zeigt, die langsam auf die Stadt zutorkeln, kann man fast schon poetisch nennen.
George A. Romero betont gerne (etwa in der empfehlenswerten Horrorfilm-Doku «The American Nightmare»), dass seine Filme Kommentare auf das soziopolitische Klima ihrer Zeit sind. «Dawn of the Dead», in dem sich die lebenden Toten im Kaufhaus austobten, konnte als Kritik am Konsumrausch und der Verdinglichung des Menschen verstanden werden. Das fortifizierte Pittsburgh von «Land of the Dead» wiederum erinnert an die Festungsvorrichtungen, mit denen sich die Länder des Westens gegen die Zuwanderung der verelendeten Massen aus dem Süden schützen wollen. Man muss nicht erst bei Frantz Fanon lesen, um in den Zombies die Verdammten dieser Erde zu erkennen.
Aber Romero ist schlau genug, auch die Gesellschaft innerhalb der gesicherten Stadt als geteilt zu zeigen. Während die Elite es sich in Luxus-Türmen gut gehen lässt, vegetieren die unteren Schichten in den Strassenschluchten. Das gibt der Geschichte zusätzliche Spannung und Dennis Hopper die Gelegenheit für ein paar schöne Szenen. Sowieso sind die Zombies längst nicht mehr die Bösen. Als die Untoten zum Schluss über die Stadt herfallen, zeigt Riley Verständnis für die Kreaturen, die auch nur einen Ort suchten, an dem sie sich geborgen fühlen. Und um deutlich zu machen, wo seine Sympathien liegen, hat Romero wie in allen seinen Zombie-Filmen eine Hauptrolle mit einem Schauspieler schwarzer Hautfarbe besetzt: Eugene Clark spielt den Anführer der lebenden Toten.
[Jürg Tschirren]
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