Metallica: Some Kind of Monster - Filmkritik
| Jahr: | 2004 |
| Genre: | Documentary, Music |
| Filmlänge: | 141min |
| Regie: | Joe Berlinger |
| Bruce Sinofsky | |
| Kinostart: | 24.06.2004 |
| 13.10.2004 (Romandie) |
Heavy Mental
Die begnadeten Dokumentarfilmer Joe Berlinger und Bruce Sinofsky haben die Entstehung des aktuellen Albums der Oberrocker «Metallica» hautnah verfolgt. Und dabei beeindruckend wahrhaftige Momente einer Band zwischen divenhafter Selbstzerfleischung und herzhafter Rockmucke eingefangen. Eine Dokfilmperle, bei weitem nicht nur für Schwermetaller.
«Metallica: Some Kind of Monster» ist kein Konzertfilm. Kurz nach dem Gig im Zürcher Letzigrund mögen die noch rotglühenden Lauscher denn auch gemässigtere Töne einer weiteren handfesten Packung Heavy Metal vorziehen. Die Dokfilmer Bruce Sinofsky und Joe Berlinger nehmen sich vielmehr des Prozesses an, der vor dem Gang auf die Bühne steht: dem Werdegang eines Rock-Albums. Er sollte - dies gleich vorweg - zu einer veritablen Zangengeburt geraten.
«Metallica», einer der grössten Namen in der Rock-Geschichte, haben seit der Gründung anno 1981 über gewaltige 90 Millionen Tonträger abgesetzt. Nach mehrjähriger Studio-Absenz galt es 2001, einen neuen Anlauf zu wagen. Der aber war von Beginn weg von Querelen überschattet. Als Bassist Jason Newsted nach 15-jähriger Zugehörigkeit die Band im Streit verliess, unternahmen Gruppe und Management einen ungewöhnlichen Schritt: Der Psychotherapeut Phil Towle, der sich mit der Betreuung von hochbezahlten Mannschaftssport-Alphatieren einen Namen gemacht hatte, sollte «Metallica» vor weiterer Selbstzerfleischung bewahren.
Joe Berlinger und Bruce Sinofsky gehören nicht zuletzt seit Filmen über zwei obskure Mordprozesse, «Brother's Keeper» und «Paradise Lost», zur ersten Garde der Dokfilmer. In letzterem zeichneten sie nach, wie drei Teenager nur schon deswegen einer Bluttat beschuldigt wurden, weil sie «Metallica»-Leibchen trugen. Die Dämonen in «Metallica: Some Kind of Monster» treten nun nicht bei Gericht, sondern im Proberaum zu Tage. Seltsam deplatziert wirken Rocker von altem Schrot und Korn in den gefühligen Gesprächsrunden mit dem Ego-Bändiger, und tatsächlich zeichnet sich auf dem Gesicht von Frontmann James Hetfield wiederholt ungläubiges Grinsen ab. Nachdem die Band in den Monaten des Drehs sich aber am Rande der Auflösung bewegt und Hetfield eine Entziehungskur bewältigt hat, bezeichnet der Rocker den Therapeuten zuletzt aber als zur Rettung entsandter Engel.
Nebst den Einblicken ins verkorkste Innere einer Rockband verschafft der Film aber auch eine Ahnung vom kreativen Prozess, der ein Musikalbum erst hervorbringt. So geschieht ein Kennenlernen mit Rock-Giganten, das wohl manchen erst recht bereuen lässt, am 18. Juni nicht im Letzigrund gewesen zu sein. [Simon Kern]
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