Schon am Anfang kracht es. Zwei Frauen, die eine hispanischer, die andere asiatischer Herkunft, streiten sich auf offener Strasse. Es fallen rassistische Worte. Die Stimmung ist explosiv. Los Angeles, zur Weihnachtszeit.
Konflikte sind bekanntlich das A und O aller dramatischen Handlungen. Und auf «Crash», das Regiedebüt von Paul Haggis, scheint dies gleich in besonderem Masse zuzutreffen: permanent geraten sich die Angelinos, die Bewohner von Los Angeles, in diesem Film in die Haare. Vorab im Verkehr, der wie eine Hauptschlagader durch die Grossstadt pumpt. Oder im Waffenladen, wo ein persischer Immigrant (Shaun Toub) als Osama abgeputzt wird. Im Spital, wo ein Polizist (Matt Dillon) keine HMO-Behandlung für seinen an Prostatata leidenden Vater durchboxen kann.
Wut und Intoleranz scheint das Dasein dieser Menschen zu prägen. Mit Unbill allein wäre aber noch kein guter Film gemacht. Das weiss auch Haggis, der das Drehbuch des diesjährigen Oscargewinners «Million Dollar Baby» schrieb. Der gebürtige Kanadier vermeidet jegliche Schwarzweiss-Zeichnung und verwebt die Schicksalsfäden seiner Figuren in seinem Regiedebüt so intelligent, dass man über die gleichzeitige Leichtigkeit und Komplexität des Drehbuchs nur staunen kann. Und man muss schon ziemlich aufpassen, um alles mitzukriegen: Was da auf verschiedensten Ebenen zwischen all den Weissen, Schwarzen, Latinos, Koreanern, Ladenbesitzern, Gangstern, Homeboys, Polizisten, Staatsanwälten, TV-Produzenten, Reichen, Armen, Müttern, Vätern und ihren Kindern alles abläuft, ist mehr als nur abendfüllend.
«Crash» zeigt Bilder von einer rohen Intensität, wie man ihnen im amerikanischen Kino nur selten begegnet. Bilder, wie sie etwa das mexikanische Juwel «Amores Perros» auf die Leinwand brachte. Zum Prädikat «Meisterwerk» reicht es «Crash» aber nicht ganz. Dafür ist Haggis' Film eine Spur zu leutselig geraten: in einigen Szenen schrammt «Crash» haarscharf am Kitsch vorbei. Einen exzellenten Gesamteindruck hinterlässt der Film aber trotzdem: der Kraft seiner Dialoge, einem hervorragenden Schauspielerensemble und dem kongenialen Drehbuch sei Dank.