Zeichentrickfilme über niedliche Tierchen mit menschlichen Wesenzügen sind im Hause Disney gewiss alles andere als eine Seltenheit. In «Brother Bear» verwischen die Zeichner die Grenze zwischen Mensch und Tier nun aber wie noch selten: Die Hauptfigur verwandelt sich vom Urzeitjäger zum Bären und wieder zurück. Dies natürlich nicht ohne Grund.
Der junge Jäger, Kenai mit Namen, kann den Pelzviechern herzlich wenig abgewinnen, als er anlässlich eines Initiationsritus seines Stammes den Bären als Totem erhält. Förmlich zu Hass steigert sich aber die Abneigung, als Kenais ältester Bruder Sitka im Kampf mit einem Bären sein Leben lässt. Blindwütig schwört Kenai Rache. Die bekommt er tatsächlich, doch als der junge Jäger den bösen Meister Petz niederstreckt, geschieht Wundersames: Kenai verwandelt sich - mit dem Zutun von Sitka aus dem Jenseits - selbst in einen Bären. Nun erfährt er am eigenen pelzigen Leib, was Toleranz im Allgemeinen und das Bärendasein im Speziellen bedeuten, wobei ihm sein zweiter, noch lebender Bruder stets auf der Fährte ist.
Strotzt schon die Schilderung des einfachen Lebens menschlicher Urahnen von gefühligen Romantisierungen, so gerät der Austausch zwischen Tier, Mensch und der Geisterwelt endgültig zum astreinen Kitsch. Nur schon der niedliche Bärenknirps, der vom Geist seiner toten Mama gestreichelt wird. Und wenn sich gegen Ende des Filmes Urzeitmenschen und Bären selig in den Armen liegen, wirkt das doch reichlich dick aufgetragen. Es soll ja nicht gleich erwartet werden, dass Disney einen Zeichentrickfilm über die unzähligen wegen der Vogelgrippe teils lebendig verbrannten Hühner in die Kinos bringt. Aber frühere Werke aus der Zeichentrickwerkstätte haben sich freilich etwas weniger stürmisch an die Brust des tierliebenden Publikums geschmissen.
All dies mag dem erwachsenen Disneykenner missfallen, den Knirpsen wirds herzlich egal sein. Während das Göttikind noch von den putzigen Tierchen, den lustigen Spässen und der schönen Musik schwärmt, kann sich der Pate wenigstens damit trösten, dass der Besuch von «Bambi» einen ungleich tragischeren Todesfall und damit einen schwierigeren Göttinachmittag mit sich gebracht hätte.