Von den alten Actionhelden (Schwarzenegger und Co.) können sich einzig noch Bruce Willis und Mel Gibson in der Garde der bestbezahlten Schauspieler halten, von den jüngeren Stars (etwa Vin Diesel oder Ben Affleck) hat sich noch keiner etabliert. Kommt hinzu, dass sich mit den kostengünstigeren Komödien ohnehin mehr Ertrag erzielen lässt. Hier ist die Konkurrenz auf den Thron des Komödienkönigs eher klein. Gummigesicht Jim Carrey hat in letzter Zeit höhere Ambitionen, als das Publikum ständig mit Lachern zu versorgen, und Mike Myers ist auf die Erfolge von «Austin Powers» angewiesen. Bleibt noch Ben Stiller («There's Something About Mary», «Meet the Parents»), der allerdings stärker auf das Kollektiv vertraut, als sich selbst in den Vordergrund zu rücken.
Auch Adam Sandler ist nicht fehlerlos, was besonders bei gewagteren Projekten wie «Little Nicky» und dem Animationsfilm «Eight Crazy Nights» zu Abstürzen führte. Nach seinem mutigen Ausflug ins Kunstkino unter der Regie von Paul Thomas Anderson in «Punch-Drunk Love» durfte man nun gespannt auf die Reaktion seiner Fans warten. Nicht zuletzt, weil sich Sandler für «Anger Management» mit Jack Nicholson einen Schauspieler an die Seite stellte, der Kritikerpreise regelrecht sammelt.
Sandler mimt wieder einmal den Durchschnittsmenschen, der einige Mühe hat, sich im Leben durchzusetzen. Als Dave Buznik hat er zwar eine bezaubernde Freundin (Marisa Tomei), aber nicht den Mut, sie in der Öffentlichkeit zu küssen. Sein Leben wird gründlich auf den Kopf gestellt, als er auf einem Flug nach Chicago neben Buddy Rydell (Jack Nicholson) zu sitzen kommt. In der Luft überstürzen sich die Ereignisse: Dave wird plötzlich vorgeworfen, eine Flugbegleiterin tätlich angegriffen zu haben. Ein Gericht verknurrt ihn zur Wuttherapie bei Buddy Rydell. Doch in der Therapiegruppe hat Dave seine Emotionen noch viel weniger unter Kontrolle. Nach einer Schlägerei in einer Bar landet er wieder vor Gericht, und dieses Mal wird ihm Rydells Intensivtherapie verordnet. Für einen Monat wird Dave jede Minute von seinem Therapeuten überwacht, der einzigartige Methoden anwendet.
«Anger Management» ist wieder eine Komödie, die ganz auf die grosse Sandler-Fangemeinde zugeschnitten ist. Einzelne Sketche werden durch ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm zusammengehalten, ein Konzept das nicht zuletzt an Sandler's frühere Auftritte in der TV-Show «Saturday Night Live» erinnert. «Anger Management» ist insofern eine Fortsetzung von «Big Daddy» und «Mr. Deeds». In einem solchen Film kann Jack Nicholson einzig eine Gastrolle zukommen. Dabei nutzt er die Gelegenheit, sich mit einer Mischung seiner bekanntesten Rollen selbst zu parodieren und landet irgendwo zwischen dem Wahnsinn aus «The Shining» und der teuflischen Lockerheit aus «The Witches of Eastwick».
Neben Nicholson treten alte Sandler-Veteranen wie John Turturro, Allen Covert und Kevin Nealon in Erscheinung, aber auch Heather Graham, John C. Reilly und Luis Guzmán, eine Schauspielergruppe, auf die Sandler bei seiner Zusammenarbeit mit Paul Thomas Anderson gestossen sein muss. Daneben gibt es zahlreiche Gastauftritte von Schauspielern (Woody Harrelson, Harry Dean Stanton), Sportlern (John McEnroe, Derek Jeter von den New York Yankees, Basketball-Coach Bobby Knight) und Politikern (Rudy Guliani) zu entdecken.
Durch dieses Durcheinander bricht die Handlung noch stärker auseinander. Die einzelnen Episoden behalten jedoch ihren Unterhaltungswert, wobei ein grosser Teil des Humors Geschmackssache ist. Neben einigen Katastrophen und viel durchschnittlichem Material bleiben aber ein paar geniale Einfälle, die den Film über die Zeit retten. In den USA ist «Anger Management» daher schon zur erfolgreichsten Komödie des Jahres aufgestiegen.